Geschichten über Seekühe und Ungeheuer
Bild: Wieneke
„Schön schaurig – schaurig schön“ lautete das Thema des Erzählabends mit Künstlerin Alexandra Kampmeier im Sitzungssaal des Rathauses. Die gebürtige Benteleranerin hatte Märchen und Geschichten aus aller Herren Länder im Gepäck.  
Bild: Wieneke

 „Schön schaurig – schaurig schön“ lautete das Thema. Zum nunmehr zehnten Abend für Erwachsene hieß Petra Petrelli als Leiterin der Gemeindebücherei die Künstlerin willkommen. „Alex“ zeigte sich erleichtert, dass sie sich für ihre Reise von der Metropole an der Elbe in ihre westfälische Heimat für das Auto entschieden hatte. „Hätte ich die Bahn gewählt, dann hätte mich der Sturm in irgendeinen Ort verweht und ich wäre wohl auf einem entfernten Bahnhof gestrandet“, freute sie sich zur Begrüßung beim Heimspiel. So durften die Besucher dank der brillanten und zündenden Erzählkunst einen unvergesslichen Abend erleben.

Die Wahlhamburgerin fasziniert immer wieder durch ihren strahlenden Sprachwitz, ihre flammende Fantasie und ihre fantastischen Bilder. Durch das frei gesprochene Wort wird von Satz zu Satz Märchenhaftes lebendig. Die variantenreiche, ausdrucksstarke Stimme zieht in den Bann, ihre Mimik und Gestik wecken Vorstellungen. Alexandra Kampmeier setzt bei ihren Zuhörern ein Kopfkino in Gang, das die Geschichten in der Fantasie des Zuhörers aufleben lässt. Der Abend war geprägt von fünf Geschichten aus aller Welt sowie einem Märchen und nahm von Australien und Birma aus seinen Weg bis zu den Gebrüdern Grimm.

Atemlose Stille und vor dem geistigen Auge entstehende Bilder von seltsamen Ungeheuern begleiteten die Erzählerin von der ersten Sekunde an. So erzählte sie von Höhlenbewohnern in Australien, die sich auf den Weg zum Angeln in einem sagenumwobenen, fischreichen See machen, der immer Wasser hat. In ihren Reihen befindet sich ein furchtloser junger Mann, der anstatt Würmer ein Stück rohes Fleisch als Köder nimmt. Am Ziel angekommen, werfen sie ihre Angeln aus, doch kein Fisch beißt an. Nur der junge Mann hat Glück. Riesig ist der Schrecken, als die Beute an Land ist. Vor ihnen liegt ein furchterregendes Ungeheuer: das Kalb der schwarzen Seekuh. Der furchtlose Junge legt das Tier über seine Schulter und macht sich mit den Alten auf den Heimweg. Das Wasser im See steigt und steigt, das fürchterliche Brüllen der Mutterkuh wird immer lauter. Das Unheil nimmt seinen Lauf: Das Wasser überschwemmt das Dorf, und die Menschen verwandeln sich in schwarze Schwäne . . .

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