Musical verbreitet Luthers Botschaft
Bild: Wieneke
Mächtiger Schlussakkord beim Bühnenstück „Martin Luther“ in der Friedenskirche: Die „Musical Kids“ Langenberg brachten am Reformationstag das Werk mit dem Ehepaar Regina und Gerd Frerich zur Aufführung.
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Kein Platz in der Friedenskirche und zwei weiteren Räumen blieb bei der Aufführung frei. Begeistert feierten die Zuschauer die starken Leistungen der Grundschüler. Die Botschaft kam an: „Gott ist gut, gerecht und barmherzig – habt Vertrauen zu ihm.“ In sieben Szenen stand das Leben Martin Luthers, der die Fehlentwicklungen und Missstände der Kirche seiner Zeit mit dem Ablasshandel beseitigen wollte, im Zentrum.

Der Blick des Musicals richtet sich auf den jungen Martin Luther und seine Familie. Der Bub rebelliert gegen zu harte Bestrafungen zweier Mitschüler durch den nach seiner Ansicht ungerechten Lehrer. Im nächsten Bild erleben die Zuschauer den jugendlichen Martin auf dem Fußweg von seinem Wohnort Mansfeld zur Uni Erfurt. Ein heftiges Hitzegewitter löst beim 20-Jährigen Todesangst aus. Er legt ein Gelübde ab: „Wenn ich heil nach Hause komme, werde ich Mönch.“

„Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Feuer springt“

Als solcher zieht er kurz darauf in den Kampf gegen für ihn unhaltbare Zustände rund um die Ablassgeschäfte der Kirche. Im Fokus steht Prediger Johann Tetzel, der auf dem Markt Persilscheine für viel Geld unter dem Motto „Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Feuer springt“ an die Menschen verkauft. Martin hält dagegen: „Man kann Gottes Liebe nicht kaufen. Gott will kein Geld, er ist gerecht und barmherzig.“ Dann heftet er am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen an die Schlosskirche in Wittenberg. Der junge Mann erhält Zuspruch und Unterstützung, aber auch immer neue Anklagen. Er muss sich vor Papst Leo X. in Rom rechtfertigen: „Was wahr ist, muss wahr bleiben.“ Auch vor dem weltlichen Herrscher, dem Kaiser, bricht Martin nicht ein und wird als „vogelfrei“ erklärt. Jedermann darf ihn nun verfolgen und töten.

Der dem Reformator wohlgesonnene sächsische Kurfürst Friedrich der Weise beschützt ihn auf der Eisenacher Wartburg. Luther übersetzt in kürzester Zeit das Neue Testament in die deutsche Sprache. Ein Jahr später gibt er die Lebensform als Mönch auf, heiratet die ehemalige Nonne Katharina von Bora und gründet mit ihr eine Familie: „Ich will mitten unter den Menschen leben und alles dafür tun, dass die Menschen die Bibel verstehen“, sagt Luther.

Feier in Form eines Familiennachmittags

Den 500. Jahrestag der Reformation feierten die Menschen im Pfarrbezirk Langenberg-Benteler der Versöhnungskirchengemeinde Rheda-Wiedenbrück bewusst in Form eines Familiennachmittags. „Die Reformation geht nur weiter, wenn Erwachsene ihre Erfahrungen an Kinder und Jugendliche weitergeben“, erklärte Pfarrerin Kerstin Pilz: „Die jungen Menschen müssen erfahren, dass unser Gott ein liebender Gott ist, und zwar so, wie Martin Luther ihn gepredigt hat.“

So standen Jung und Alt nach der Aufführung des Kindermusicals beim gemütlichen Zusammensein im Zentrum einer engagierten Helferschar. Es gab fast kein Durchkommen mehr, waren doch alle Räume des Gemeindezentrums an der Brinkstraße proppevoll. Bei Kaffee und Kuchen, Waffeln und Getränken wurde Gemeinschaft über Konfessionsgrenzen hinweg gepflegt. Ein Raum war für den Nachwuchs reserviert. Dort konnte er in aller Ruhe kreativ tätig werden, lesen und malen. Denn bei der Bastelaktion zum 500. Reformationstag sollten die Kinder ihre persönliche Schatztruhe oder die bekannte Luther-Rose – ein Siegel, das Martin Luther ab dem Jahr 1530 für seinen Briefverkehr verwendete und zugleich ein Symbol der evangelisch-lutherischen Kirchen ist – gestalten. Die Mädchen und Jungen waren angehalten, ihren Schatz in der Bibel zu finden oder auch eigene Texte zu schreiben. Denn nach Worten des Reformators Martin Luthers „macht allein die Schrift Hoffnung“.

Reformationsjubiläum eine ideale Gelegenheit

Bis zu seiner Pensionierung 2016 hatte Grundschullehrer Gerd Frerich als Leiter der Musik-Arbeitsgemeinschaft (AG) der Brinkmannschule und danach des Grundschulverbands Langenberg gemeinsam mit seiner Ehefrau Regina 30 Musicals aus eigener Feder auf die Bühne gebracht. Doch anstatt den Ruhestand zu genießen, geht es weiter: Mann könne nicht anders, als kreativ mit Kindern zu arbeiten, betont das Paar. Da habe das Reformationsjubiläum eine ideale Gelegenheit geboten, das Leben des Reformators Martin Luther als ihr 31. Kindermusical zu schreiben und aufzuführen. Akteure waren Mädchen und Jungen des örtlichen Grundschulverbunds, allerdings unter dem neuen Namen „Musical Kids“ Langenberg. Denn bei geplanten weiteren Werken sollen auch alle ehemaligen Teilnehmer der Musik-AG mit ins Boot geholt werden.

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