Plattdeutsch verflacht zusehends
Bild: Nienaber
Schriftzüge an den Hausfassaden in Langenberg zählen zu den letzten Zeugen des niederdeutschen Dialekts.
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So ist zumindest die Prognose von Dr. Robert Peters, pensionierter akademischer Oberrat am Germanistischen Institut der Universität Münster mit dem Forschungsschwerpunkt Westfälische Sprachentwicklung. „Bereits im 19. Jahrhundert sprachen die Bürger der Städte lieber Hochdeutsch, was als vornehmer und gebildeter galt“, führt er an.

Das damals als „bäuerisch“ verschriene Platt hielt sich auf dem Land länger. „Bereits ab 1914 gab aber auch die Landbevölkerung den Dialekt bewusst nicht mehr an die folgende Generation weiter.

Zunächst in der Gegend um Soest und den Hellweg. In der Schule war damals verstärkt Hochdeutsch gefordert und die Kinder sollten eine gute Bildung erhalten“, so seine Begründung. Das Gleiche gelte für Ostwestfalen gegen Ende der 1930-er Jahre, im Emsland sei Plattdeutsch bis in die 1960-er Jahre vorherrschend gewesen. Aus dem aktiven Sprachgebrauch sei das westfälische bereits verschwunden, weshalb es laut Peters in 40 bis 50 Jahren keine Sprecher des Dialekts mehr geben werde.

Ewald Herbort, ehemaliger Leiter des Plattdeutschen Krinks in Langenberg, ist anderer Meinung. „In den vergangenen Jahren sind so viele neue Gesprächsrunden entstanden, dass ich nicht glaube, dass in 50 Jahren niemand mehr Plattdeutsch beherrscht.“

Dem widerspricht allerdings Antonius Handing, Vorsitzender des Heimatvereins Benteler. „Zwar existieren viele Krinks und ähnliche Gruppen. Zur Erhaltung und Weitergabe reicht das aber nicht“, glaubt Handing. „Zu Hause habe ich zwar Dialekt gelernt, dadurch im Hochdeutschen aber viele Rechtschreibfehler gemacht. Ich finde, man sollte darauf achten, dass Kinder und Enkelkinder später möglichst einwandfrei Hochdeutsch lesen und schreiben können“, lautet sein Fazit.

Welche der beiden Meinungen am Ende die richtige sein wird, ist nicht mit letzter Sicherheit zu sagen. Viel spricht jedoch für die pessimistischere, denn die Möglichkeiten, im Alltag „Platt“ zu sprechen, werden aus Mangel an Gesprächspartnern leider nicht zahlreicher.

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