Chöre glänzen klangprächtig zum Jubiläum
Bild: Kirschner
75 Jahre Chormusik an St. Aegidius: Dies wurde am Sonntag mit der Messe „Missa Festiva Spirensis“ in der Wiedenbrücker Pfarrkirche gebührend gewürdigt.
Bild: Kirschner

An diesem Morgen standen die 100 Sängerinnen und -sänger der Chöre von St. Aegidius im Mittelpunkt. Mit der anspruchsvollen und feierlichen Messe „Missa Festiva Spirensis“ von Christian Matthias Heiß, die 2011 als Auftragswerk für das 950-jährige Weihejubiläum des Kaiserdoms zu Speyer entstand, gaben die Chöre anlässlich ihres Jubiläumskonzerts einen glänzenden Beweis dafür, dass sich die Kirchenmusik, unter der seit 1979 engagierten Leitung von Kantor Jürgen Wüstefeld, schon lange zur besonderen Stärke der Pfarrei entwickelt hat.

Lebensbejahender Rhythmus

Eröffnet mit Marc Henrics „Pueri omnes pacem Dei cantabunt“ breitete sich festlich, strahlender Chorgesang – von Barbara Pawelczyk farbenreich an der Orgel und dem Blechbläserensemble Warendorf unter der Leitung von Georg Potthoff begleitet – im Kirchenraum aus. Und während der Weihrauchduft über die so ergriffenen Kirchenbesucher zog, versank der Chor perfekt aufeinander abgestimmt im innigen Kyrie und majestätischem Gloria. Immer wieder fand Pfarrdechant Edeler lobende Worte für den Chor und die Musik überhaupt. „Wenn eine Gemeinde aufhören würde zu singen, wäre sie dazu verdammt, übereinander herzufallen – das Schlimmste, was passieren könnte.“

Viel zu kurz schien das eigenwillige, gewaltige „Halleluja“ von Colin Mawby, an dessen frischem, lebensbejahendem Rhythmus man einfach Freude haben musste. Daran schlossen sich die Fürbitten der ehemaligen Chorsängerin Regina Seidel an, die sie mit Martin Luthers „Musik ist ein reines Geschenk und eine Gabe Gottes, sie vertreibt den Teufel, sie macht die Leute fröhlich und man vergisst über sie alle Laster“ einleitete. Mit beherzter Stimme bat sie für die verbindende Kraft der Musik und für den Erhalt des Chors: „Schenke uns neue Sänger und Sängerinnen.“ Aber immer wieder war es die harmonische, tief emotionale Messe von Heiß in der überwältigenden Klangpracht und im fein intonierten Ton aller Stimmen, die in Hülle und Fülle emotional Nahrung für die Seele boten. Groß muss der Übungseinsatz der Sänger gewesen sein, denn nur wenig bedurfte es, sie zu solch dynamischer Steigerung wie im „Benedictus“ zu leiten.

Jüngste versuchen sich als Solisten

Zufrieden lächelte Jürgen Wüstefeld. Denn selbst die Jüngsten, bestens von Ute Kardinahl vorbereitet, wagten sich als Solisten hervor und berührten durch ihren Mut. Fast schwebend in sanften Harmonien des „Agnus Dei“ endete die polyphone, durchweg harmonische Messe. Während in behutsam transparenter Tongebung Orgelmusik zur Kommunion erklang, schöpfte der Chor nochmals Kraft für den Ausklang mit John Rutters „Te Deum“. Sanfte Stimmen bei „Holy, Holy, Holy“ und eindringliche, einstimmige Melodien in „O Lord, Have Mercy Upon Us“ wechselten sich in großer Stimmfertigkeit ab. Zu den dahinfließenden Melodiebögen setzen Pauken und Trompeten markante Akzente. Von der Empore hörte man in funkelnden Tönen die ehrfurchtsgebietende Orgel: Großer Applaus für ein besonderes Musikerlebnis und Glückwunsch an die Chöre.

Dr. Silvana Kreyer

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