Dekker zeigt „Boosted Rooms“ in Orangerie
Bild: Daub
Wie einem Science-Fiktion-Filmepos entsprungen wirkt diese Skulptur des Künstlers Michel Dekker mit dem Titel „Deep Night“, die gegenwärtig in der Ausstellung „Boosted Rooms“ (Gesteigerte Räume) in der Orangerie des Schlosses Rheda zu sehen ist.
Bild: Daub

So gedieh die Vernissage am Sonntag, Titel „Boosted Rooms“ (Gesteigerte Räume) zum erblickten Erlebnis des Abenteuerlichen, fast will man sagen, des Grenzwertigen der Dimensionen. Es wäre ein Irrtum, die plastischen Exponate des Pfälzers auf den ersten Blick als „Ausgeburten“ der Fantasie einzuordnen und abzuhaken. Für seine 2,20 Meter hohe Multiplex-Lack-Arbeit „Timeline 2013“ erhielt er den Nachwuchspreis zum „Pfalzpreis für Plastik“. Der erste Eindruck ist die Anmutung eines bizarren Gerüstbaus, grün gefasst, vielleicht mit floralem Bezug: ein vegetabiles Chaos scheint sich aufzutun. Bei näherer Betrachtung schälen sich formale Strukturen aus der Natur heraus, konstruktive Bauarten also, die irgendwie mit architektonischen Umfeldern korrespondieren.

Monumental wie im Grand Canyon

Der Ludwigshafener, ausgebildeter Landwirt, hat Geografie und Geologie studiert. Er hat Eckdaten beider Wissenschaften im Denken über Mutter Erde in einem Kontext mit den unendlichen kosmischen Ausmaßen platziert. Im „Glocke“-Gespräch äußerte sich Michael Dekker zur Frage motivischer Voraussetzungen so: „Timeline weist auf die geologische Schichtung hin, die anhand offen stehenden, abgetragenen Gesteins tagebuchartig gelesen werden kann. Die Zusammensetzung der Schichtungen, dargestellt in schrägen, horizontal wie vertikal verlaufenden Ebenen und Etagen, gibt Aufschluss über das Geschehen in unterschiedlichen Erdzeitaltern.“ Gut nachempfindbar ist die schöpferisch angesiedelte Betrachtungsweise Dekkers, der sich enthusiastisch mit Landschaftsformationen, mit organisch gewachsenen Felswänden, Gesteinsschichten, Erosionen und Sedimentsentwicklungen beschäftigt. Daraus zog er Schlüsse für seine krasse Bildregie: Was monumental wie im Grand Canyon und gewaltig spitz und unzugänglich wie die Alpen anmutet, hat er in semi-architektonische Formen zu fassen versucht.

Bis zum 23. April

Michael Dekker hat Arbeiten von beeindruckend unantastbarer und sensibler Provenienz geschaffen. Da stört es den Betrachter auch nicht, wenn er in einer Skulptur nicht nur Bronze-, Aluminium-und Stahlelemente entdeckt, sondern auch zerborstene Dachlatten und zwei Hälften eines Spülbeckens aus Keramik. „Für mich ist es wichtig, die Seherfahrung immer neu zu deklinieren“, unterstreicht Michael Dekker, wenn er seinen Fragmenten Argumentation – und damit Leben – einhaucht. Bis Sonntag, 23. April, ist die Ausstellung „Boosted Rooms“ mit Arbeiten des Künstlers Michael Dekkers im Bleichhäuschen zu sehen. Öffnungszeiten: montags bis freitags 15 bis 17 Uhr, samstags 14 bis 17 Uhr und sonntags 11 bis 17 Uhr, Karfreitag, Ostersonntag und Ostermontag 11 bis 17 Uhr .

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