Die Probleme der Welt vor der Linse
Bild: Weinert-Brothers
Im Zentrum des Geschehens: Dennis (l.) und Patrick Weinert nahmen mit ihrer Kamera die täglichen Probleme in einem ostkongolesischen Dorf auf. Die Brüder wollen auf die dortigen Missstände aufmerksam machen.
Bild: Weinert-Brothers

Ihr neuester Film „Ashes of Kivu“ ist jüngst veröffentlicht worden. Für die 50-minütige Dokumentation begaben sich die beiden Geschwister aus Rheda-Wiedenbrück in ostkongolesische Dörfer, um Einblicke über den seit mehr als 20 Jahre andauernden Konflikt zu erhalten. Um diese schwierige Thematik adäquat in einer Dokumentation umzusetzen, entschieden sie sich für drei Protagonisten: einen regierungskritischen Künstler, einen ehemaligen Kindersoldaten sowie die ländliche Bevölkerung im Bergland und Dschungel Nord-Kivus. In Mpati, einem Dorf im Ostkongo, sprachen sie mit den Anwohnern über Probleme wie Trinkwassermangel, Vergewaltigungen und Ermordungen durch die Rebellen.

Inmitten der Gefechte

Das Risiko scheuen die beiden Geschwister aus Rheda-Wiedenbrück für die perfekte Aufnahme nicht: In dem Dorf Mpati befanden sie sich knapp eine Woche inmitten der Gefechte zwischen den Regierungstruppen und einigen Rebellenmilizen. „Das größte Risiko bestand darin, von Querschlägern verwundet oder getötet zu werden, oder unkontrollierten Teilen der örtlichen Rebellen in die Hände zu fallen“, berichten die beiden Brüder.

Dennis Weinert, Jahrgang 1992, und sein zwei Jahre jüngerer Bruder Patrick könnten auch ein typisches Leben für ihr Alter führen: zur Universität gehen, sich mit Nebenjobs das erste kleine Gehalt verdienen. Doch die beiden Jungfilmemacher suchen lieber das Abenteuer, um auf Probleme dieser Welt hinzuweisen. Ihre Motivation für den aktuellen Film war die Beantwortung ihrer Leitfrage: Wie gehen Menschen in unserem Alter, die beinahe über den gesamten Zeitraums ihres Lebens mit Krieg konfrontiert sind, mit ihrem Schicksal um?

Für Probleme sensibilisieren

Während ihrer zweimonatigen Dreharbeiten im Ostkongo seien die beiden zu aufschlussreichen Antworten gekommen. Der Film soll diese Missstände auch dem Publikum zugänglich machen. „Wir wollen – gerade die junge Zielgruppe – für die politischen Probleme im Kongo sensibilisieren“, sagt Dennis Weinert. Der Filmtitel, zu Deutsch „Die Asche Kivus“, spiegelt die Intention der Brüder wider. „Die anhaltende Gewalt hüllt die Kivu-Region, bildlich gesprochen, in Asche“, sagt Patrick Weinert.

Während der Dreharbeiten wurden die beiden Brüder mit einigen Schwierigkeiten konfrontiert. Bereits die Einreise über Ruanda – inklusive des Visums – war ein erheblicher Organisationsaufwand. Die ersten Wochen in Goma, einer Großstadt im Ostkongo, wurden damit verbracht, eine günstige Unterkunft zu suchen und erste Kontakte herzustellen. Gedreht wurde ebenso in ländlichen Regionen, die über eine kaum erschlossene Infrastruktur verfügten. Der Transport des Equipments in diese Gebiete erforderte stundenlange Fahrten auf Motorrädern und kilometerlange Fußmärsche.

Nächstes Projekt in Moldawien

Reisemüde sind Patrick und Dennis Weinert noch lange nicht. Und das trotz bisheriger Aufenthalte in Asien, Afrika und Lateinamerika. Den Schritt, das Studium beziehungsweise die Schule abzubrechen, haben sie bislang nicht bereut. „Klar gibt es Schwierigkeiten, aber alles hinzuschmeißen kam uns bisher nicht in den Sinn“, stimmen die beiden Brüder überein. Sie wollen weiterhin vom beschaulichen Rheda-Wiedenbrück die Krisengebiete dieser Welt bereisen. Aller Gefahren durch Gewalt und Krankheit zum Trotz. Dafür sind die Abenteuerlust und der Spaß am kreativen Arbeiten zu groß. Ihr nächstes Projekt steht schon an. Momentan befinden sich die beiden Brüder in Chisinau, Moldawien. Dort widmen sie sich ihrem aktuellen thematischem Schwerpunkt: dem Menschenhandel in Osteuropa.

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