Fette Beute: Dreiste Diebe stehlen Schwein
Fröhlich lächelnd springt Schwein Eberhard den Besuchern der Fleischerei Sträter förmlich entgegen. Aber das war einmal. Die 150 Kilogramm schwere Betonskulptur wurde über Nacht geklaut.

„Uns wurde unser Wahrzeichen gestohlen“, sagt der Juniorchef des Familienbetriebs. Zehn Jahre lang habe Schwein Eberhard den Eingangsbereich des Feinkostgeschäfts an der Wichernstraße geziert, und nie sei etwas passiert. Dass die Betonskulptur, die aus der Werkstatt der Wittener Alltagsmenschen-Künstlerin Christel Lechner stammt, nicht mehr auf ihrem Platz steht, sei den Mitarbeitern zunächst gar nicht aufgefallen. Erst als Kunden gefragt hätten, was mit dem rosafarbenen Glücksbringer passiert sei, habe man den Diebstahl bemerkt.

Fall erinnert an Keks-Klau bei Bahlsen

Auch wenn die Branche eine völlig andere ist, erinnert die Schwein-Entführung Axel Sträter an den Diebstahl des goldenen Bahlsen-Keks’, der 2013 die niedersächsische Landeshauptstadt Hannover in Atem hielt. Bis heute anonyme Ganoven hatten damals die vergoldete, 20 Kilogramm schwere Bronzeplakette in Form eines Butterkeks’ vom Bahlsen-Firmensitz entfernt und 1000 Euro Lösegeld als Spende an ein Tierheim gefordert.

Kein Bekennerschreiben

Ein Bekennerschreiben ist bei Feinkost-Sträter bislang nicht eingetroffen, und auch sonst gibt der Tathergang Rätsel auf. Der Juniorchef vermutet, dass die 150 Kilogramm schwere Betonskulptur in der Nacht von Samstag auf Sonntag gestohlen wurde. Das Aufladen des Lechner-Kunstwerks auf ein Fahrzeug zum Abtransport müsse schon einige Minuten in Anspruch genommen haben, sagt Axel Sträter. „Denn so leicht, dass man ihn sich einfach unter den Arm klemmen kann, ist unser Eberhard wahrlich nicht.“

Sträter hofft, dass späte Innenstadtpassanten den nächtlichen Vorfall beobachtet haben. Für sachdienliche Hinweise, die zur Rückkehr des „Alltagsschweins“ an seinen Stammplatz vor der Fleischerei führen, hat das Familienunternehmen eine Belohnung von 500 Euro ausgesetzt.

Hoher ideeller Wert

„Uns liegt wirklich viel daran, dass wir Eberhard schnellstmöglich zurückbekommen“, sagt Axel Sträter. Die Lechner-Plastik sei ein Geschenk des Wiedenbrücker Unternehmers Burckhard Kramer („3C-Gruppe“) an seinen Vater Adolf gewesen und habe deshalb einen hohen ideellen Wert, erklärt er.

Das verlustig gegangene Schwein Eberhard ist ein ganz besonderer Vertreter seiner Art. Bei der Auftragsarbeit der Alltagsmenschen-Künstlerin Christel Lechner handelt es sich um eine exakte Nachbildung des Logos, das seit 25 Jahren Fahrzeuge, Briefköpfe und Schaufensterschriftzüge der Wiedenbrücker Fleischerei und ihrer Gütersloher Filiale ziert. „Eberhard gehört für uns einfach dazu“, sagt Axel Sträter, der den 1930 gegründeten Betrieb gemeinsam mit seinem Vater Adolf führt.

Verärgert über Fehlverhalten Einzelner

Verärgert zeigt sich der Geschäftsmann ob der Dreistigkeit, die die Diebe an den Tag gelegt haben. „Bis vor Kurzem hätte ich nicht gedacht, dass so etwas bei uns in Wiedenbrück möglich ist“, sagt Axel Sträter. Es sei schade, dass derartige private Initiativen zur Ortsbildverschönerung durch das Fehlverhalten Einzelner torpediert würden. Sträter fragt sich zudem, was die Kriminellen mit Eberhard vorhaben. „Ihn zu verkaufen oder zu Dekozwecken in den Vorgarten zu stellen, dürfte schwierig werden, weil ihn sofort jeder mit unserem Geschäft in Verbindung bringen würde.“

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Die Hoffnung, dass Eberhard zurückkommt, geben Sträter und seine Mitarbeiter nicht auf. Schließlich hängt auch der Hannoveraner Bahlsen-Keks inzwischen wieder an Ort und Stelle.

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