Frische Ideen sollen Einrichtung beleben
Bild: Schulte-Nölle
Hat die Doppelstadt und ihre Geschichte bestens im Blick: die Kunsthistorikerin, Galeristin und neue Leiterin des Museums Wiedenbrücker Schule, Christiane Hoffmann.
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Hoffmann hat damit nun hauptamtlich die Nachfolge des Ehrenamtlers und früheren Vorsitzenden des Heimatvereins Wiedenbrück-Reckenberg, Manfred Schumacher, angetreten. Charakter und Eigenheiten des 2008 eröffneten Museums kennt sie wie die sprichwörtliche eigene Westentasche. Schließlich habe sie seinerzeit dabei geholfen, das Konzept der Einrichtung in die Realität zu übertragen, wie sie im „Glocke“-Gespräch erklärt. Die Zielsetzung, die ihr Stadt und Stiftung „Ausstellungs- und Begegnungsstätte Wiedenbrücker Schule“ mit auf den Weg gegeben haben, ist klar definiert: Hoffmann soll das angestaubte Image des Hauses aufpolieren, die Außenwirkung stärken, kurz: das Museum wieder mit Leben füllen. Den Anforderungen begegnet die findige Fachfrau, die seit 2009 in Wiedenbrück eine Galerie für zeitgenössische Kunst führt, mit Enthusiasmus und einem breit aufgestellten Strategienkatalog.

Attraktives Sonderausstellungsprogramm

Mehr Bewegung in die museale Ruhe möchte sie unter anderem mit einem attraktiven Sonderausstellungsprogramm bekommen. Dafür sollen künftig Teile der ständigen Exponate in zwei Räumen im ersten Obergeschoss wechselnden Werken weichen. Galerieschienen sollen dabei eine flexible Aufhängung von Bildern ermöglichen. „Durch die Beschaffenheit der Zimmer ist es möglich, auch einmal kleine Ausstellungen mit lediglich zehn oder 15 Objekten zu gestalten“, betont Christiane Hoffmann die Vorzüge. Voraussichtlich einmal im Jahr werden die Schauräume dem Heimatverein als Präsentationsfläche dienen. Darüber hinaus seien jedoch auch andere Formen der Bespielung denkbar und wünschenswert, sagt sie.

Zu den Ansätzen, die die Einrichtung fit für die Zukunft machen sollen, gehört auch eine verstärkte Kinder- und Jugendarbeit. Kooperationen ihrer Galerie mit örtlichen Bildungseinrichtungen – vom Jugendhaus bis hin zu Schulen – haben der 49-Jährigen in der Vergangenheit bereits zu einem soliden Netzwerk verholfen, das sie nun auch für das Museum nutzen möchte. Eines der ersten Projekte: eine Ausstellung mit Werken von Schülern des Ratsgymnasiums. „Die Jugendlichen werden dabei aktiv eingebunden, von der Organisation über das Erstellen von Werbematerial bis hin zur Eröffnungsfeier“, erläutert Hoffmann.

Workshops holen Praxis ins Haus

Um das Museum für neue Formen der Nutzung zu öffnen, feilt Christiane Hoffmann aktuell gemeinsam mit einer Kunstpädagogin an einem Zeichenworkshop für Laien und Hobbyschaffende. „Dieses Haus ist randvoll mit Motiven. Eine bessere Steilvorlage gibt es kaum“, ist Hoffmann überzeugt. Auch längerfristige Werkprojekte in Kooperation mit freiberuflich arbeitenden Künstlern sind für sie denkbar. „Um Ausstattung und Unterkünfte zu finanzieren, braucht es allerdings Sponsoren“, räumt sie ein.

Die erste Duftmarke hat Hoffmann bereits gesetzt: Am Donnerstag, 30. November, 19 Uhr, wird die Spielzeugschau „Luthers Leben in Playmobil“ eröffnet. Der kreative Kopf hinter der Ausstellung, der bayerische Pfarrer Stefan Merz, bringt seine Exponate auf Einladung der 49-Jährigen nach Wiedenbrück. Das Besondere: Die sieben Schaukästen, deren Szenen aus mehr als 2000 Originalteilen zusammengesetzt sind, sind im gesamten Museum verteilt. „Für den Besucher ist es eine Aufforderung, sich einmal genauer umzusehen und auf Entdeckungstour zu gehen“, sagt Hoffmann.

Galerie Hoffmann geht auf Wanderschaft

Am Galeriebetrieb möchte Christiane Hoffmann trotz der neuen Aufgabe im Museum Wiedenbrücker Schule festhalten. Veränderungen stehen jedoch auch dort an. Bereits zum Ende des Jahres trennt sich die 49-Jährige von ihren Ausstellungsräumen im Cor-Haus – und damit grundsätzlich von einem dauerhaften Domizil. So wie viele andere Lebensbereiche habe sich auch das Galeriegeschäft durch die Digitalisierung stark verändert, begründet Hoffmann den Schritt. Die Konsequenz: „Die stationäre Form ist für viele Kunden immer weniger attraktiv.“ An die Stelle statischer Gestaltung soll daher nun der Eventcharakter treten. Um den Erlebnisdurst zu stillen, wird die Galerie Hoffmann ab 2018 zu einer Art Wanderausstellung.

Unter dem Arbeitstitel „Frühjahrs- und Herbstsalon“ sucht die Unternehmerin immer wieder neue Lokalitäten, um die Werke von Künstlern zu präsentieren. „Das kann eine Industriefläche sein, aber auch eine leerstehende Geschäftszeile“, erläutert sie. Bespielt werden sollen die Örtlichkeiten für jeweils vier bis sechs Wochen. Der stark begrenzte Zeitraum soll einen weiteren Anreiz für Interessenten schaffen, die Schau nicht nur zur Kenntnis zu nehmen, sondern auch tatsächlich zu besuchen. „Ich gehe nicht hin, heißt in diesem Fall: Ich habe es verpasst“, bringt es Christiane Hoffmann auf den Punkt. Geplant ist, zunächst zweimal im Jahr der Kundschaft ein neues Programm zu bieten. Dabei wolle sie nicht nur auf ihr bereits bestehendes Netzwerk zurückgreifen, sondern auch frische Künstler mit ins Boot holen, sagt die Galeristin.

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