Hunderte Gläubige bei traditioneller Kreuztracht
Bild: Bitter
Der zweite Kniefall während der Wiedenbrücker Kreuztracht an der Ecke Ostenstraße/Drostenweg, links der Guardian des Franziskanerklosters, Bruder Korbinian Klinger
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Ausgangspunkt und Ziel bildete wie seit 1663 das Franziskanerkloster an der Mönchstraße. Zum Auftakt der Liturgie vom Leiden und Sterben Jesu Christi in der überfüllten Marienkirche bereitete der Guardian der Ordensgemeinschaft, Bruder Korbinian Klinger ofm, die Gläubigen vor: „Wir gehen dem Kreuz nach durch Wiedenbrück auch um unsere Sinne zu stärken für die Kreuze, denen wir Tag für Tag im Alltag begegnen.“ Der Ordensgeistliche rief ins Gedächtnis, dass die Himmelsrichtungen das Kreuz nachbildeten ebenso wie Mast und Rahe für die Segel, hinter denen die Seeleute sicher den Hafen erreichten. Man könne sich die Elemente des Kreuzes auch als widerstrebende Kräfte vorstellen, sagte Bruder Korbinian. Wenn man Gegensätze zusammenhalten wolle, sei das immer eine Art der Kreuzigung, betonte der Prediger.

Hinter dem Kreuz steht kein Fragezeichen, sondern ein Doppelpunkt

Die Prozession ging auch über die Lange Straße

Hoffnungsfroh verwies der Franziskaner auf die Nachfolge Christi, deren Weg schmal sei. Aber hinter dem Kreuz stehe kein Fragezeichen, sondern ein Doppelpunkt. Vor dem Auszug aus dem Gotteshaus verlas der Pfarrer der evangelischen Versöhnungskirchengemeinde, Marco Beuermann, am Ambo die Leidensgeschichte Jesu aus dem Johannesevangelium im Wechselgespräch mit Bruder Korbinian Klinger.

Traditionsgemäß folgte im Schatten des Patersbogen der erste von sieben Kniefällen auf der Kreuzung Wasser-/Mönchstraße und Marien-/Ostenstraße. Voraus schritt das Arma-Christi-Kreuz. Kinder in einfachen Gewändern trugen Leidenswerkzeuge. Die Chorgemeinschaft, die Kantor Jürgen Wüstefeld dirigierte, stimmte überlieferte Gesänge an: „Vater vor dem Himmelsthron, sieh auf uns, erbarme dich“ oder den Choral „Stabat mater dolorosa“ (Schaut die Mutter voller Schmerzen).

Ordensritter in weiten weißen und schwarzen Mänteln reihten sich ein. Vor der „Fuchshöhle“ (Wichern-/Kirchstraße) sang der Pfarrer der syrisch-orthodoxen Kirche von Antiochien, Aziz Esen. Besonders beeindruckend bleibt alljährlich das Bild der Prozession vor der historischen Kulisse der jahrhundertealten Fachwerkhäuser an der Langen Straße zwischen Klingelbrink und ihrem Übergang in Bielefelder/Mönchstraße.

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