Kreative lassen Ideen und Funken sprühen
Bild: Daub
Zunächst suchten sie gemeinsam auf einem Schrottplatz nach Materialien: (v. l.) Gaby Disselkamp und Stefanie Weber, daneben Alfons Melcher und Manfred Reese.
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Diese Hand voll Teilnehmer eines Angebots der Volkshochschule Reckenberg-Ems mit Hauptsitz in Rheda-Wiedenbrück vertraute Reza Sobani und Josef Wibbelt –zwei Metallfachkundigen. Am Kursusende hielten die Eleven selbstgefertigte Vögel in den Händen. Der Hof von Josef Wibbelt liegt im grünen Außenbereich von Beelen. Der Metallbauer und der Maschinenbaukonstrukteur Sobani, der in Harsewinkel eine Malschule unterhält, kamen vor einiger Zeit durch Zufall zusammen. Seitdem führen sie Kurse, in denen sie den Umgang mit Geräten und Materialien an einem Nachmittag näher bringen, gemeinsam durch.

Das Klischee von den Schweißern, jenen harten Kerlen, die zwischen Stahl und Beton im sprühenden Funkenflug an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit gelangen, wurde in der Hofwerkstatt am Landhagen 6 nahezu einleuchtend widerlegt: Zarte Frauenhände zogen sich feuerfeste Handschuhe und dicke Kittel an, stülpten sich gemächlich die eckigen Gesichtsschutzmasken über, und leise zischte die Flamme des Schweißgeräts. Ruhig erklärten die zwei Dozenten den Umgang mit der zuckenden Flamme, mit der Flex sowie anderen Werkzeugen und wie man aus Metallmüll einmalig Zauberhaftes herstellt. Monstervögel etwa, die in keinem zoologischen Buch zu finden sind. Aber es sind eindeutig keine Repliken, sondern reizende Deko-Unikate geworden, auf die ihre Schöpfer stolz sein dürfen. Und die eben auch in jeden Vorgarten passen. Bei Stefanie Weber, beruflich als PTA tätig, ist der abstrakte Piepmatz trotz kragender Kopfdrähte gut erkennbar, eine Art Science-Fiction-Kolibri.

Alfons Melcher, Apotheker aus der Doppelstadt an der Ems, hat mit einer dicken Autofeder ein Wesen kreiert, vielleicht einen modernen Gartenzwerg? Und der Gütersloher Architekt Manfred Reese hält einen drehbaren Roboter hoch, dem nur noch der Kopf fehlt. Hauptschullehrer a. D. Nikolaus Brockhoff hat ihn endlich abgeschossen, den „eigenen Vogel“, den er, so sagt er schmunzelnd, nach Ansicht früherer Schüler immer schon gehabt habe. Das Vieh ist mannshoch, glotzt mit einem Radauge und ist mit eingeschweißter Baumschere sowie Fahrradkette ausgestattet. Gaby Disselkamp, die Fahrradklingel und Drähte in ihren Gefiederten integriert hat, schwört auf den Fundort Schrottplatz. Nur 40 Cent pro Kilo Metallschrott habe sie bezahlt. 40 Cent, die sich gelohnt haben.

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