Lange Straße wird zur Bummelmeile
Bild: Werneke
Unterhaltsame Lektüre für die fünfjährige Neele hat Uwe Hübener auf dem Krammarkt parat. Er empfiehlt ihr „Das kleine Ohrengespenst“.
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Verstärkung erhalten sie von einem Kollegen und der Polizei. Drei Falschparker müssen weichen. Auf 800 Metern Länge bietet die Lange Straße beidseitig bestückt für rund 130 Händler Fläche, informiert Dirk Wiesbrock, in dessen Händen bereits zum neunten Mal die Organisation des Krammarkts liegt. Im April beginnt er in der Regel mit der Planung und versendet Verträge. Den Löwenanteil der Beschicker machen Stammhändler aus, informiert er. Es seien rund 100 an der Zahl. Am Sonntagmorgen schon hat Wiesbrock mit dem Abteilungsleiter und Kirmesverantwortlichen Hensen die Standplätze auf dem Pflaster mit Wachskreide markiert und mit Namen versehen. Lücken in den Reihen seien aus Sicherheitsgründen bewusst gelassen worden, so dass im Notfall die Besucher ausweichen können, erklärt er im Gespräch mit der „Glocke“. Um 5.30 Uhr sind am Montag die ersten Marktbeschicker angerückt und verwandeln die zentrale Verkehrsader in eine bunte Bummelmeile.

Marktbesuch ein Muss

Das graue Wetter kann Traditionsbesucher wie Andrea Kosfeld nicht schrecken. „Für mich ist das ein Muss“, sagt die Frau aus Rheda, die es auf diverse Schneidegeräte abgesehen hat. Von pfiffigen Schnittgeräten samt Auffangbehälter bis hin zu klassischen Solinger Küchenmessern reicht die Auswahl. Den Geschmack Andrea Kosfelds treffen auf jeden Fall schon einmal der Tomaten- und der Afrika-Dipp, die an einem der duftenden Gewürzstände feilgeboten werden.

Schnäppchenjäger, die nach fleißigen Helfern rund um den Haushalt Ausschau halten, müssen nicht lange suchen. Derweil der eine mit „Reinigen ohne Chemie“ wirbt, wienern andere eindrucksvoll Spiegel und Herdplatten oder bieten diverse Bürsten an. Einen Beutel voller Schwämme, für Spüle und Auto, hat Eva Piepenbrink aus Herzebrock ergattert. Apropos sauber: Alle Hände voll zu tun hat Thomas Meyer bei diesem, wie er sagt, „Schuhputzwetter“. Mit seinem Pflegemittel – es sei übrigens auch auf Holz anwendbar – sei er wohl schon rund 30 Jahre in Wiedenbrück zu Gast, blickt er zurück. Ebenfalls praktisch: der so genannte „Rückenfreund“. Wie Werner Lange erklärt, koste dieser Fugenkratzer nicht nur wenig Kraftaufwand, sondern verfüge zudem über ein Sicherheitsklappmesser, das Wurzeln an den Kragen geht.

Wärmendes für die kalte Jahreszeit

Mit dem Krammarkt ist die Zeit gekommen, sich für Herbst und Winter einzudecken. Von der glitzernden Bommelmütze über das Wendedreieckstuch und die farbenfrohe Filzjacke bis hin zu kuscheligen Wollsocken ist die Auswahl groß. Warm anziehen muss sich auch, wer noch im Garten aktiv wird, um rechtzeitig Blumenzwiebeln für eine bunte Blütenpracht im kommenden Jahr in die Erde zu bringen. Mit rund 50 verschiedenen Sorten, angefangen von Krokussen bis zum Zierlauch, warten Monika und Josef Kalendkiewicz auf. Keine Chance für Langeweile: Telespiele für lange Abende sind am Montag ebenso zu finden wie unterhaltsame Lektüre. Üppige 400-Gramm-Wollknäuel laden zum Stricken ein. Erwärmend ist allein schon der Anblick von Kuscheltieren und Kaminholzkörben aus Weidengeflecht. Und wenn einen dennoch eine Erkältung erwischt? Kein Problem: Wie wäre es mit Alt-Japanischem Pflanzenöl?

Köstliche Aussichten

Vorfreude auf die Weihnachtsbäckerei kommt beim Anblick einer Fülle an Plätzchenausstechern – vom Nikolausstiefel bis zum Notenschlüssel – auf. Überhaupt wird vielfältig Appetit geweckt: sei es mit Bergkäse oder Hausmacher Mettwurst im XXL-Format. Den Krammarktbesuchern mächtig einzuheizen verstehen im fröhlichen Trubel die „Acoustic Friends“ auf der Krane-Oktoberfestbühne. Dort wird die Lange Straße an dem vorletzten Herbstkirmestag auch ein Stück weit zur Partymeile.

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