Rhedaer Altstadtfest lockt mit Musik
Bilder: Dresmann
Eindeutiges Bekenntnis: Die Jungen und Mädchen der Wenneberschule warben bei der Eröffnung des Rhedaer Altstadtfests am Samstagnachmittag mit selbstgebastelten Wennebären und T-Shirts mit der Aufschrift „Ja!“ für den Erhalt der Bildungseinrichtung. Anschließend nahmen sie gemeinsam mit ihren Eltern und Lehrern am Eröffnungsumzug durch die Innenstadt teil.
Bilder: Dresmann

Die Sonne lachte ununterbrochen über der ehemaligen Fürstenstadt an der Ems. Wegen des Regens blieben am Samstagnachmittag viele Stammgäste der Eröffnungsfeier fern. Eine Gruppe war dennoch mannstark zum Auftakt des 38. Altstadtfests erschienen. In ihren orangenen T-Shirts mit der unmissverständlichen Aufschrift „Ja!“ machten die Mitglieder der Bürgerinitiative zum Erhalt der Wenneberschule am Samstagnachmittag auf sich aufmerksam. Mit selbstgebastelten Wennebären in der Hand tanzten und sangen die Viertklässler der Bildungseinrichtung nicht nur ihr Schullied, sondern zogen auch beim Umzug durch die Altstadtgassen.

Livebands sind Publikumsmagneten

Angeführt wurde der Tross sowohl von Altstadtbürgermeister Klaus-Dieter Weiner als auch von Rathauschef Theo Mettenborg. Der erste Bürger der Stadt dankte in seinen Eröffnungsworten den annähernd 120 ehrenamtlichen Helfern für die Organisation des Fests, „das für Rheda eine große Bedeutung hat“, wie Mettenborg betonte. Das Altstadtfest stand diesmal unter dem Motto „Junge Musik in alten Gassen“. Die Livebands am Samstagabend erwiesen sich einmal mehr als Publikumsmagneten. Vor den drei Bühnen in der Altstadt und vor der Hauptbühne auf dem Doktorplatz war es am Samstagabend angenehm voll. Die Bands „Acoustic Friends“, „Active Music Events“, „Lucky Star“, „Wohnzimmersoul“ und „Late Starters“ hielten die Gäste mit ihren Melodien bei Laune. Nicht fehlen durfte die „Oel’n Kapel“ aus Rheda-Wiedenbrücks niederländischer Partnerstadt Oldenzaal. Die Mitglieder der Formation waren wie gewohnt nicht nur musikalisch ganz vorne mit dabei, sondern kundschafteten auch alle Biertheken Rhedas genauestens aus.

Klaus-Dieter Weiner kündigt Rückzug an

Nach der großen Sause am Samstagabend waren am Sonntagnachmittag die Geschäfte geöffnet. Als besondere Hingucker erwiesen sich die historischen Aufnahmen, die Heimatfreund Jochen Sänger in den vergangenen Wochen in zahlreichen Schaufenstern postiert hatte. Zum ersten Mal unterstützte der Schützenverein der Landgemeinde Rheda das Altstadtfest. Die Bauernschützen stellten für das Wochenende eine Thekenmannschaft an einem der Getränkestände. Klaus-Dieter Weiner kündigte derweil seinen langsamen Rückzug an. Bis zum 40. Altstadtfest wolle er weitermachen und dann sein Amt in jüngere Hände übergeben.

Handwerkergasse schrumpft zusammen

Einer der Veteranen der mittlerweile stark zusammengeschrumpften Handwerkergasse beim Altstadtfest ist Karl-Heinz Hoffmeier. Der 77-Jährige kommt seit mehr als 20 Jahren auf Rhedas Innenstadtfest und zeigt dort den Besuchern, wie er Körbe aus Riet flechtet. Aber nicht nur handgemachte Körbe hatte der Ibbenbürener am Wochenende im Angebot. Auch einen Puppenwagen aus Holz und Riet bot er zum Verkauf an. „Am beliebtesten sind die Schälkörbchen“, sagte Hoffmeier. Sie seien beispielsweise für Kartoffelschalen bestens geeignet. 20 Märkte und Feste besucht der Rentner im Jahr. Gefertigt werden die meisten Produkte im Winter. „Dann setzt er sich in den Heizungskeller und man sieht und hört über Stunden nichts mehr von ihm“, berichtete seine Frau Helga, die das aussterbende Handwerk des Rietflechtens übrigens nicht beherrscht. Gelernt hat Hoffmeier die Kunst von seinem Opa. „Bei ihm waren wir früher als Kinder immer zu Besuch“, erklärte er.

Duftstoffherstellung wie im Mittelalter

Links und rechts neben Hoffmeiers Stand ist es recht leer geworden in der Handwerkergasse. Diese wieder so mit Leben zu füllen, wie es vor Jahren noch der Fall war, fällt der veranstaltenden Altstadtinitiative schwer. „Auch die Handwerker werden nicht jünger und finden keinen Nachwuchs“, weiß Altstadtbürgermeister Klaus-Dieter Weiner. Man sei aber stetig auf der Suche nach neuen Kunsthandwerkern. Auf der Widumstraße konnten die Organisatoren einen Neuzugang vermelden. Markus Hager war dort mit seinem „Palast der Sinnlichkeit“ anzutreffen. Darin verkaufte er allerlei duftende Stoffe, die noch immer wie im Mittelalter hergestellt werden. Normalerweise ist der Leverkusener mit seinem Stand eher auf historischen Märkten als auf Innenstadtfesten zu finden. Trotzdem zeigte der gelernte Chemikant aber auch den Altstadtfestbesuchern gerne, wie Seifen und Kerzen noch vor einigen Jahrhunderten handwerklich produziert wurden.

SOCIAL BOOKMARKS