Tönnies-Pläne stoßen auf Widerstand
Bild: Sudbrock
Mit Plakaten und Spruchbändern bezogen am Mittwochvormittag 25 Mitglieder eines Aktionsbündnisses aus Umwelt- und Tierschutzorganisationen vor dem Reethus Stellung gegen die beantragte Erhöhung der Schlachtkapazitäten beim Fleischwerk Tönnies. 
Bild: Sudbrock

Während Tönnies-Geschäftsführer Josef Tillmann von einer notwendigen Erweiterung zur Zukunftssicherung des Standorts sprach, bezogen die Mitglieder der Protestbewegung gegen die industrielle Massentierhaltung im Allgemeinen und die Ausdehnung der Schlachtmengen beim Rhedaer Fleischwerk im Besonderen Stellung. Tönnies schlachtet an seinem Stammsitz etwa 26.000 Schweine pro Tag. Das entspricht zirka 3000 Tonnen Lebendgewicht.

Täglich 30.000 Schweine zerlegen

Künftig will das Unternehmen täglich 30.000 Schweine zerlegen. Dazu muss die Kapazität auf 3500 Tonnen Lebendgewicht aufgestockt werden. Das geht aber nur mit Zustimmung des Kreises Gütersloh und der Bezirksregierung Detmold. Wie Bernhard Bußwinkel von der Kreisverwaltung bei der öffentlichen Erörterung am Mittwoch im Reethus vor rund 70 Zuhörern betonte, ist das für die Erweiterung erforderliche Genehmigungsverfahren noch längst nicht abgeschlossen. „Entschieden wird heute noch nichts“, sagte der Leiter der Abteilung Bauen, Wohnen und Immissionen.

Kritiker haben bis September Zeit

Kritiker hätten noch bis zum 4. September Zeit, Bedenken gegen das Tönnies-Vorhaben zu äußern. Bislang lägen der Behörde 83 Einwendungen vor, die von insgesamt 923 Bürgern unterzeichnet worden seien. Darüber hinaus seien bis jetzt 7500 Anmerkungen online bei der Kreisverwaltung eingegangen – „und zwar aus dem gesamten Bundesgebiet“, wie Bernhard Bußwinkel erklärte. Zahlreiche Aspekte seien bei der Genehmigung zu berücksichtigen. Als Beispiele nannte der Kreisvertreter die Bereiche Naturschutz, Wasser, Lärm, Geruch, Gesundheitsgefahren, Verkehr und Tierschutz. Weitere Punkte bei der Anhörung waren aber auch die Arbeitsbedingungen im Schlachthof, der Wertverlust von Häusern und Grundstücken sowie gesellschaftspolitische Fragestellungen.

„Dabei kann nichts Gutes herauskommen“

Die Zuhörer nutzten die Gelegenheit, die 20 Vertreter der beteiligten Behörden und des Fleischwerks auf dem Podium mit teils kritischen Fragen zum geplanten Vorhaben zu konfrontieren. Zudem machten sie aus ihrer konsequenten Ablehnung der industriellen Fleischproduktion keinen Hehl. „Die Schweine stehen auf den Bauernhöfen bis zu sieben Monate in engen Boxen“, sagte eine Teilnehmerin. „Dabei kann nichts Gutes herauskommen, denn eine artgerechte Tierhaltung ist das nicht.“

Bekenntnis zum Heimatstandort

Den Genehmigungsantrag zur Erweiterung der Schlachtkapazität bezeichnet Tönnies-Sprecher Dr. André Vielstädte als „eindeutiges Bekenntnis zu unserem Heimatstandort“. Investitionen in Millionenhöhe seien geplant. Ziel sei es, die Produktion in einigen Teilbereichen zu automatisieren. Durch den Einsatz von Sägerobotern und anderen hochentwickelten Maschinen könnte insbesondere die Zerlegung effizienter gestaltet werden. Das führe auf Dauer zu einer Kapazitätssteigerung des Rhedaer Werks.

Obergrenze dient zur Planungssicherheit

Dr. Vielstädte betonte, dass die Produktion im Fall eines positiven Verfahrenausgangs nicht von jetzt auf gleich um 17 Prozent beziehungsweise 4000 Tiere erhöht, sondern sukzessive gesteigert werde. „Die beantragte Obergrenze von 3500 Tonnen Lebendgewicht dient in erster Linie der Planungssicherheit.“ Eine Vergrößerung der Betriebshallen sei nicht erforderlich, die bestehenden Gebäude reichten aus. Steigen wird nach Auskunft des Kreises indes der Lastwagenverkehr rund ums Werk: um 61 auf 528 Fahrzeuge täglich. Nachts sollen aber auch künftig nur maximal elf Lastwagen anrollen dürfen.

SOCIAL BOOKMARKS