Wilde Müllkippen sind Grünen ein Graus
Karikatur: HSB-Cartoon
„Wenn das Geld für eine groß angelegte Werbekampagne nicht ausreicht, müssen die Rheda-Wiedenbrücker Bündnisgrünen eben selbst Plakate kleben“, meint „Glocke“-Karikaturist Heinrich Schwarze-Blanke.
Karikatur: HSB-Cartoon

Das geht aus der Stellungnahme der Verwaltung zu einem Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hervor. Die Partei hatte bereits im März ein Konzept „zur Entwicklung von Maßnahmen zur Prävention und Sanktionierung von wilden Müllablagerungen“ gefordert. Der Ausschuss für Bauen, Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr wird sich während seiner nächsten Sitzung am Donnerstag, 9. November, erneut mit dem Thema befassen. Beginn ist um 17.30 Uhr im Rhedaer Rathaus (großer Saal).

Handlungsbedarf vorhanden

Die Grünen wollen unter anderem der verbotenen Abfallentsorgung in der freien Natur den Kampf ansagen. Handlungsbedarf sei vorhanden: Denn allein im Jahr 2015 seien 28,5 und 2016 mehr als 34 Tonnen Müll auf wilden Müllkippen im Stadtgebiet abgeladen worden. Die Aufräum- und Entsorgungskosten von jährlich mindestens 39 000 Euro müsse die Allgemeinheit tragen. Der unachtsame Umgang einiger gewissenloser Zeitgenossen mit dem eigenen Müll führe in weiten Teilen der Bevölkerung zu Unverständnis und Verärgerung, argumentiert die Fraktion. Unbefriedigend sei, dass Umweltfrevler oft ungeschoren davon kommen: 2016 habe die Stadt lediglich fünf Bußgelder von zusammen 325 Euro verhängt. Für die Grünen steht daher fest: „Angesichts der Mengen an wild abgelagertem Müll an Containerstandorten und in Waldgebieten ist noch Potenzial für mehr Bußgeldverfahren vorhanden.“

„Für eine umfangreiche, über die bisherigen Aktivitäten deutlich hinausgehende Kampagne würden Flyer, Großflächenplakate, Banner, Hinweisschilder, Radiospots sowie Hilfskräfte zur Überwachung und Kontrolle benötigt“, heißt es in der Stellungnahme der Stadtverwaltung zum Grünen-Antrag. Zur Koordinierung sei eine zusätzliche halbe Stelle im Rathaus erforderlich, was Mehrkosten von 40 000 Euro im Jahr bedeute. „Für eine zielgruppenorientierte und originelle Aktion müsste darüber hinaus ein Werbe- oder Marketingbüro mit der Erstellung eines Konzepts und der Materialien beauftragt werden“, führt Erster Beigeordneter Dr. Georg Robra in der Stellungnahme der Kommunalverwaltung weiter aus.

Intensive Kontrollen, zeitnahe Reinigung

Die Grünen haben verschiedene Möglichkeiten zur Sensibilisierung der Bürger ins Gespräch gebracht. Dazu gehört die Einführung von „attraktiven Mehrwegbechern“ und „funktionellen Einkaufstaschen“ zur Verringerung des Verbrauchs schwer recycelbarer Einwegvarianten. Pappbecher für heißen Kaffee zum Mitnehmen und die in vielen Geschäften erhältlichen Plastiktüten stellen aus Sicht der Partei ein ernstzunehmendes Umweltproblem dar. Bedenklich sind nach Auffassung der Grünen auch Hundekotbeutel, die befüllt und zugeknotet von immer mehr Tierbesitzern sorglos in der Natur entsorgt werden. Tüten in Signalfarben könnten die Hemmschwelle nach Überzeugung der Ratsfraktion deutlich erhöhen. Mit Blick auf die wilden Müllkippen in der Doppelstadt fordern die Bündnisgrünen intensive Kontrollen und die zeitnahe Reinigung der besonders betroffenen Gebiete. Zudem müssten die Bürger dazu aufgerufen werden, Fehlverhalten anzusprechen, zu dokumentieren und gegebenenfalls zur Anzeige zu bringen, heißt es im Antrag der Fraktion.

Zweifel am Erfolg einer wie auch immer gearteten Aufklärungskampagne zur Müllvermeidung hegt Erster Beigeordneter Dr. Georg Robra. „Die angestrebte Verringerung der wild abgelagerten Müllmengen erfordert zwingend eine Verhaltensänderung bei den Verursachern. Es ist fraglich, ob das mit Appellen, Presseveröffentlichungen und Plakaten erreicht werden kann“, schreibt er dazu in seiner Stellungnahme und wirft die Frage auf: „Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein notorischer, von mangelnder sozialer Verantwortung, Gleichgültigkeit und Bequemlichkeit geprägter Umweltfrevler Argumenten zugänglich und bereit ist, diese künftig zu beherzigen?“
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