Barrierefreiheit auch unter Wasser
Bild: von Stockum
Binnen weniger Tage ist im Bereich des Nordtors die Durchlässigkeit der Ems für Fische und andere Lebewesen optimiert worden.
Bild: von Stockum

Diese Triebfeder hält ihn permanent dazu an, gegen den Strom zu schwimmen, damit er nicht irgendwann in der salzigen Nordsee herumdümpelt. Grundsätzlich könnte der Fisch gut damit leben, gäbe es nicht den Menschen, der ihm an den unmöglichsten Stellen in die Quere kommt, ihn ausbremst, ihm tatsächlich Steine in den Weg legt.

Barrierefreiheit ist aktuell ein Riesenthema – auch unter Wasser. Das Bett muss heutzutage – so sagen es europaweit gültige Richtlinien – durchlässig sein, damit Fische und andere Tiere pendeln können. Nun hat der ordnungsliebende Mensch aber über Jahre hinweg dafür gesorgt, dass Bäche und Flüsse in weiten Teilen schnurgerade durch die Landschaft verlaufen, mehr noch: Er hat unter anderem Stauwehre eingebaut. Der Fisch, der solche Hindernisse überwinden kann, muss erst noch geboren werden. Und so macht man sich an die Rückabwicklung derartiger Gestaltungsmaßnahmen. Der Mensch renaturiert und schafft funktionierende Treppen für Kiemenatmer sowie Mitbewohner.

Zuletzt hat sich der Kreis Gütersloh am Nordtor in Rietberg ans Werk gemacht – unter anderem auf Bitten des Landtagspräsidenten André Kuper: Dort war zwar anlässlich der Landesgartenschau in der Stadt der schönen Giebel die Ems aufgewertet worde, unglücklicherweise aber wohl mehr fürs Auge. Tatsächlich nämlich dürften Fische und weitere Flussbewohner erhebliche Probleme gehabt haben, die angelegte Umgehungsrinne zu passieren. Die Ausweichroute für die Stauanlage, sie war offenbar eine Sackgasse. „Gut gemeint“ und „gut gemacht“ sind eben zwei Paar Gummistiefel. Jetzt aber dürfte es laufen.

Nachdem in den Tagen vor den Herbstferien der Pegel der Ems langsam abgesenkt worden war, ließ die Kreisverwaltung einen Bagger ins Bett rollen und die Umgehungsrinne optimieren, sprich barrierefrei gestalten. „Gleichzeitig haben wir ober- und unterhalb des Wehrs Leitdämme errichtet, damit die Tiere die Aufstiegshilfe besser finden“, erläutert Stefan Sibilski, Sachgebietsleiter Kultur- und Wasserbau beim Kreis Gütersloh, im Gespräch mit der „Glocke“. Das Risiko, dass Fische sowie Mitbewohner vor dem Wehr stehen wie der sprichwörtliche Ochs vorm Berg, es wurde minimiert. In Absprache mit dem zuständigen Angelverein wolle man nun beobachten, inwieweit die Maßnahmen Früchte tragen, so Sibilski weiter.

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