Männer lügen das Blaue vom Himmel
Bild: Vredenburg
Tim Boltz: „Eine ordentliche Nasendusche verbindet die Völker der Erde mehr als jede UNO-Friedenskonferenz.“
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Ganz so ausschweifend wurde es dann zwar nicht – zumindest aber die Herzen der Fans flogen Tim Boltz in seiner irrwitzigen Leseshow „Rüden haben kurze Beine“ haufenweise zu. Die Frage, warum Männer schlechte Lügner sind und Frauen daran Schuld haben, zog sich wie ein roter Faden durch die herzzerreißend komische Lesung der „anspruchsvollen Literatur und tiefsinnigen Lyrik“. Das jedenfalls versprach die Stimme aus dem Nichts, die dem Frankfurter „Alpha-Rüden“ – der mit einer Beinlänge von sage und schreibe 98 Zentimern auch ohne Lügen bereits kurze Beine hat – den Weg auf die Bühne ebnete.

Zur musikalischen Unterstützung hatte der Autor von „Weichei“, „Nasenduscher“ und „Linksträger“ die Pianistin Corinna Fuhrmann aus Berlin mitgebracht. Stimmlich und schauspielerisch virtuos suchte Tim Boltz, der eigentlich Zeno Diegelmann heißt und 1974 in Fulda geboren wurde, nach Erklärungsversuchen dafür, dass Männer das Blaue vom Himmel lügen, um Frauen zu beeindrucken. Robert Süßemilch, Titelheld seiner Trilogie, weiß davon ein Liedchen zu singen. Er verliebt sich in die überaus attraktive Veganerin Jana, für die er in Sekundenschnelle zum Piloten wird. Dass er sich inmitten einer noch andauernde Studienpause befindet, verschweigt er. Für sie, die ihn ehrfurchtsvoll bewundert und sein Testosteron gehörig in Wallung bringt, würde er sogar frittierte Streptokokken zur neuen Trendspeise ausrufen. Genüsslich und mit viel Situationskomik schlüpfte der Literatur-Comedian in die verschiedenen Rollen. Mit fiepsiger Stimme gab er die atemberaubende Jana ebenso souverän wie das unvergleichliche Kölsche Urgestein Jean Pütz. Den nämlich ließ er den Weintester-Wettbewerb moderieren, zu dem Jana, die Robert noch immer für einen Mann von Welt hält, angemeldet hatte.

Die Geschichte, in der Tim Boltz die Weinverköstigung gleich in sechs verschiedenen Figuren durchlebte – das sorgsam aufgebaute Lügenkonstrukt geriet gefährlich ins Wanken – krönte den Abend als besonders skurrile Lachnummer. Robert, der in seiner Ahnungslosigeit etwa die florale Nuance einer wilden Buchsbaumhecke herauszuschmecken glaubte, vergab weinselig „volle zehn Punkte und keinen weniger“. Die Zuschauer im Rundtheater schlossen sich dem gern an.

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