Outlet-Exposé stiftet Verwirrung

Aus dieser Zusammenarbeit heraus ist ein Exposé für Geschäftskunden entstanden, das heimischen Kaufleuten vielfach die Zornesröte ins Gesicht treibt, zumindest aber Verwirrung stiftet. So wirbt Michael Haslinger in seinem aufwändig gestalteten Exposé mit Vorzügen Rietbergs, vor allem aber mit Flächen an der Rathausstraße, für die mitunter noch mehrere Jahre gültige Mietverträge existieren.

Der Eindruck täuscht

Wenn in diesen Tagen Interessenten mit den Unterlagen durch den Stadtkern flanieren und das eine oder andere Ladenlokal inspizieren, geschieht das häufig sehr zum Erstaunen derer, die aktuell dort Geschäfte machen. Wüsste man es nicht besser, könnte man zu der Überzeugung gelangen, dass schon längst ein Prozess der Verdrängung eingesetzt hat. Um es vorwegzunehmen: Der Eindruck täuscht.

Gleichwohl finden Kaufleute, Handwerker und Dienstleister, die entlang der Rathausstraße Geschäfte betreiben, ihre Räume plötzlich auf einer Karte wieder, die sie als verfügbar für eine City-Outlet-Nutzung kennzeichnet. „Unverschämtheit“ ist das meistgenannte Wort, spricht man die derzeitigen Mieter auf die Werbebroschüre an, die dazu gedacht ist, Marken für das COC-Projekt zu gewinnen.

Seit Monaten im Umlauf

Ob der Friseur Hamza Altuncu, die Bäckerei Middelberg, Foto Lang, Kodi, das Schuhgeschäft Peppermint, Höppners Creativ-Contor oder viele andere – das Exposé macht auch auf den zweiten Blick noch Glauben, dort ließen sich in absehbarer Zeit rabattierte Markenartikel an die Kundschaft bringen. Dank Angabe der Größenverhältnisse kommt der Rechner unter Einbeziehung aller genannten Hausnummern auf die für das Outlet-Center erforderliche Fläche von 9000 Quadratmetern. In „Step 1“, wie dem bereits seit einigen Monaten im Umlauf befindlichen Druckerzeugnis zu entnehmen ist. Auf den ersten folgt in der Regel der zweite Schritt.

Auch die Seite des Exposés, die sich mit der Stellplatzsituation beschäftigt, löst Verwunderung aus: In der Innenstadt und der näheren Umgebung seien Kapazitäten für 700 Autos vorhanden, für weitere 1000 Wagen sei erforderlicher Raum in Planung. Von diesen Größen ist die Kommunalpolitik allerdings weit entfernt.

Exposé basiert auf Gedankenspiel

Die Rietberger Architekten Tom und Leon Meyer, die Ideengeber zum City-Outlet-Center und Investoren zugleich sind, haben sich direkt zu Beginn des Projekts gefragt: Was wären vorstellbare Flächen, wo könnte ein solches Vorhaben umgesetzt werden? Auf diesem Gedankenspiel basiert das Exposé, das sich – wie häufig in der Werbung – von der Realität unterscheidet. „Alles, was dort zu finden ist, beruht auf Annahmen“, erläuterte Leon Meyer im Gespräch mit der „Glocke“.

Auf Grundlage dieser Annahmen habe man vor einigen Monaten damit begonnen, das Interesse von potenziellen Mietern zu überprüfen. „Das bedeutet allerdings nicht, dass das City-Outlet-Center am Ende so aussehen wird“, ergänzt Tom Meyer. Man habe mit Gebäudeeigentümern unverbindlich gesprochen und dann geschaut, „was der Markt macht“. Zweifelsohne sei der gesamte Vorgang mit „viel hätte und könnte“ behaftet.

Mehr zum Thema lesen Sie am Samstag, 20. Februar, auf der Rietberg-Seite der „Glocke“.

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