Wetterextreme auch von Menschen gemacht
Bild: von Stockum
Sven Plöger referierte in der Basilika des Bibeldorfs Rietberg.
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Ebenso wenig machte er Hoffnung, dass sich das Rad mit viel gutem Willen irgendwann noch einmal zurückdrehen, das Ruder herumreißen lassen wird. Wenn überhaupt, lässt sich die Entwicklung verlangsamen. Dazu müsse die Bevölkerung ihren Umgang mit der Umwelt allerdings grundlegend überdenken, sagte der Wetterfrosch.

Was Plöger in der Basilika des Bibeldorfs an Zahlen, Bildern und Vergleichen präsentierte, ist mitunter erschreckend gewesen. Wenn ihm zufolge eine 7,4 Milliarden Köpfe zählende Weltbevölkerung aktuell die nachwachsenden Ressourcen von 1,6 Erden verbraucht und sich der Temperaturanstieg auf dem gesamten Globus drastisch beschleunigt, aber beispielsweise der erste VW Golf genauso viel Kraftstoff schluckt wie das aktuelle Modell, dann läuft irgendetwas verkehrt. „Wir stehen vor einem herausragenden Problem“, verdeutlichte der Meteorologe, „vor allem, weil nicht alle an einem Strang ziehen.“

Nicht genug damit, dass der Mensch mitverantwortlich ist für den Klimawandel – über eine lange Kausalkette macht er sich darüber hinaus mitschuldig an einer wachsenden Zahl an extremen Wettererscheinungen. „Wir sind Täter und Opfer zugleich“, sagte Sven Plöger, der Verständnis dafür zeigte, dass mancher bei einer Diskussion darüber die Augen verdreht. „Unser Klimasystem ist kompliziert und schwer zu vermitteln. Der Mensch verlangt nun einmal aber nach einfachen Antworten.“

Anhand zweier Umstände machte der Meteorologe deutlich, dass es gar nicht so wahnsinnig aufwändig ist, verantwortungsbewusster mit der Umwelt umzugehen. Zum einen die Sonne: Gerade ein halbes Milliardstel ihrer Energie erreicht die Erde – das ist aber immer noch das 6000-fache von der Menge, die der Mensch verbraucht. „Wir müssen sie mehr nutzen“, sagte Plöger, „vor allem aber müssen wir es auch intelligent tun.“

Weitaus trivialer ist ein zweites Phänomen, das Plöger ins Spiel brachte – nämlich die Autovernarrtheit der Deutschen. Die Blechkarossen würden immer größer, die Zahl der neuangemeldeten SUV (Sport Utility Vehicle) – also von Limousinen in Geländewagenverpackung – steige. Warum, das kann sich der Fernsehmeteorologe selbst nicht erklären. „Ich muss in meinem Wagen doch nicht spazieren gehen können!“

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