Wohnungssuche gestaltet sich schwierig
Schlüsselfunktion: Randa Sow und Martin Hübner (Sozialpädagogen bei der Stadt Rietberg) beraten ab sofort Vermieter, die sich nicht sicher sind, ob sie ihre freie Wohnung an Flüchtlinge vermieten möchten. Die Beratung ist kostenlos und unverbindlich.

Der Markt ist generell angespannt. Hinzu kommt: Viele Vermieter sind unsicher, ob sie überhaupt an Flüchtlinge vermieten möchten. Die städtische Sozialabteilung hilft bei der Entscheidung – mit einer unverbindlichen Beratung für Eigentümer.

Die Bilanz spricht für sich: Lediglich zwölf Familien haben es in Rietberg bislang geschafft, in eine eigene Wohnung einzuziehen – die haben sie meistens mit Hilfe von Ehrenamtlichen bekommen oder über andere persönliche Kontakte. 80 Menschen hingegen suchen weiterhin händeringend nach einer Mietimmobilie. Für sie ist es sehr schwierig, weiß Sozialpädagogin Randa Sow von der Stadtverwaltung: „Viele Eigentümer haben Bedenken, mit Flüchtlingen einen Mietvertrag zu schließen. Das ist sehr schade, und in vielen Fällen sind diese Ängste völlig unbegründet.“ Gemeinsam mit ihrem Kollegen Martin Hübner möchte sie Vorurteile abbauen, Fragen beantworten und so bei der Entscheidung für oder gegen Flüchtlinge als neue Bewohner behilflich sein.

Wer eine freie Wohnung anzubieten hat, kann sich unverbindlich an Randa Sow oder Martin Hübner wenden. „Die Beratung findet in einem geschützten Rahmen statt, Inhalte dringen nicht nach außen“, heißt es aus dem Rathaus. Der Ausgang sei völlig offen, betont Randa Sow: „Wenn am Ende dabei herauskommt, dass ein Mietverhältnis nicht gewünscht wird, ist das natürlich völlig in Ordnung.“ Dennoch hofft sie, dass es gelingen wird, einige Menschen auf diesem Weg in eine eigene Wohnung zu vermitteln. Dabei würden selbstverständlich die Wünsche und konkrete Vorstellungen der Vermieter berücksichtigt. Beispielsweise, wenn jemand nur an eine Familie mit oder an eine Familie ohne Kinder vermieten möchte. „Das können wir alles im Vorfeld besprechen, denn wir wissen aus unserer täglichen Arbeit sehr genau, wer gerade Wohnraum sucht.“ In einem zweiten Schritt könnten sich Vermieter und potenzielle neue Mieter erst einmal kennenlernen.

Vermieter, die sich für eine Beratung interessieren, sollten sich an Randa Sow, Telefon 05244/986267 und randa.sow@stadt-rietberg.de, sowie an Martin Hübner, Telefon 05244/986311 und martin.huebner@stadt-rietberg.de, wenden. Das Büro der beiden befindet sich in der Alten Südtorschule.
Eine gesetzliche Auflage für alle ab Januar 2017 oder danach anerkannten Flüchtlinge verschärft derzeit die Situation in Rietberg: Die so genannte Wohnsitzauflage besagt, dass ein anerkannter Flüchtling in der Stadt bleiben muss, in der er in einer Notunterkunft untergebracht worden ist. Das heißt: Wer der Stadt Rietberg zugewiesen worden ist, darf sich nicht in einer anderen Kommune eine Wohnung suchen – auch nicht im Kreis Gütersloh. „Das schränkt die Möglichkeiten natürlich deutlich ein“, betont Martin Hübner.

Die beiden Sozialpädagogen Randa Sow und Martin Hübner sind froh, dass es ihnen seit einigen Monaten möglich ist, Flüchtlinge intensiver und individuell zu betreuen. Zu Zeiten, als pro Woche 100 Menschen kamen, war daran gar nicht zu denken. Inzwischen hat sich die Lage deutlich entspannt: Lediglich 30 Flüchtlinge sind der Stadt bisher in diesem Jahr zugewiesen worden. Aktuell betreut die Sozialabteilung stadtweit 317 Flüchtlinge.

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