Närrische Zahlen und eine rote Ampel
So soll der neue Bau- und Wertstoffhof aussehen, den die Stadt an der Ecke von Ewersweg und Strothweg errichten will. Rechts im Bild zu sehen ist die Einfahrt in den Wertstoffhof. Geradeaus geht es in den Bereich, in dem der Bauhof untergebracht ist. Die Visualisierung stammt vom Kölner Büro V-Architekten.

War es jemals realistisch, den Bau- und Wertstoffhof in der nun geplanten Variante für fünf Millionen Euro zu bauen? Nein. „Es waren närrische Zahlen. Sie waren nicht nachvollziehbar. Die Flächen haben vorn und hinten nicht gepasst“, sagt Architekt Markus Kilian vom Kölner Büro V-Architekten. Der Vorwurf: Im Zusammenhang mit dem Architektenwettbewerb und auch bei einer weiteren Kostenprognose direkt im Nachgang war mit falschen Zahlen hantiert worden. Statt fünf Millionen Euro waren daher schnell sieben Millionen Euro aktuell. Für die ursprüngliche Summe sei der Entwurf nicht umzusetzen, so Kilian.

Wie erklärt sich dann die Steigerung auf mehr als zehn Millionen Euro? So richtig konkret wurden weder die Planer noch der eigens eingeschaltete Projektsteuerer, der eigentlich dafür sorgen soll, dass die Kosten im Rahmen bleiben. Ein Problem ist das Grundwasser, das höher steht, als erwartet. Der ganze Bau muss deshalb 90 Zentimeter höher angelegt werden. Allein das kostet eine Stange Geld. Auch musste beim Schallschutz mehr gemacht werden, als noch im Architektenwettbewerb vorgesehen. „Wir haben Wohngebäude in der Nähe, die geschützt werden müssen“, erklärte Architekt Jop Voorn. Hinzu kommen auch weitere Wünsche, die die Stadt nachträglich geäußert hat und die ins Geld gehen.

Gibt es Einsparpotenzial? Ja. Die Frage ist eher: Reicht es? Um die acht Millionen Euro will die Politik ausgeben. Mehr auf keinen Fall. Alles kommt noch einmal auf den Prüfstand. Alles, was künstlerisch schön ist, kann weg, nur was wirklich benötigt wird. soll umgesetzt werden. Die Projektsteuerer haben schon zwei Varianten ausgearbeitet: einmal eine Umsetzung für 9,8 Millionen Euro. Und dann eine für 8,7 Millionen Euro. Das ist immer noch mehr, als eine Kostenschätzung im August ergeben hatte: Dort waren die Planer von 8,2 Millionen Euro ausgegangen.

Was kostet der Bau rechnerisch jeden Verler? 404,27 Euro pro Kopf, wenn man die Ende September genannte Einwohnerzahl von 25.948 als Grundlage nimmt. Würde der Bauhof für 8,2 Millionen Euro realisiert, wären es 316,02 Euro pro Kopf. De facto muss natürlich niemand diese Summe zahlen. Aber es sind Steuergelder, die für den Bau verwendet werden.

Sind extravagante Dinge eingeplant? Ein paar schon: Unmut erregte zum Beispiel eine von Landschaftsarchitekt Dirk Melzer, der mit dem Büro V-Architekten zusammenarbeitet, vorgeschlagene Beschriftung des Bodens im Bereich des Wertstoffhofs. Unter anderem Recycle soll dort in großen Lettern zu lesen sein. Und zwar so groß, dass man sie mit Google-Earth auch erkennen kann. Kostenpunkt: schlappe 50.000 Euro. „Das ist preiswerter als Farbasphalt“, sagte Dirk Melzer – und löste bei einigen Ratsmitgliedern doch Schnappatmung aus. Tendenz: Der Asphalt bleibt schwarz. Gleiches dürfte für die Verler Holzschalung gelten. Architekt Jop Voorn hatte sich diese Variante für die Fassade des Wertstoffhofs zum Ewersweg hin überlegt. Sein Plan: Am Westfalenweg solle schon jetzt Holz gesammelt werden, das dann in die neue Fassade eingearbeitet werden soll. Kostenpunkt: 17 800 Euro. Auch dort gilt: Eine Umsetzung mag ganz schick sein, der Plan wandert aber in die Tonne.

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