Reinhards Weg zurück zu den Wurzeln
Bild: Tschackert
Las aus ihrem Buch: Die Autorin Judith Reinhard vermisst ihr altes Leben nicht.
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Wo wäre die Autorin für ihre Lesung bei den Literaturtagen in Verl also besser aufgehoben gewesen als in einem Biomarkt. Ein besonderes Erlebnis für Autorin und die Besucher. Dafür sorgten die beiden Gastgeber Elisabeth und Ludger Bremehr. Mit Longhorn-Suppe stimmte das Ehepaar die rund 60 Gäste in ihrem Geschäft auf die Lesung ein.

Die hätte vor 20 Jahren eigentlich in einer Edelboutique statt in einem Biomarkt stattfinden müssen. Denn Judith Reinhard hat lange Jahre in der Modebranche gearbeitet. „Ich pendelte zwischen Großstädten, Ländern und Kontinenten und war es gewohnt, dass Männer, die ein „Head of . . .“ vor sich hertrugen und perfekt sitzende Anzüge trugen, mir zuhörten“, erzählte sie.

„Ich wollte raus aus der Branche“

Die Modedesignerin führte ein Leben auf der Überholspur: beruflich erfolgreich und selbstständig. Erst als Journalistin, dann als Beraterin in der Modeindustrie. Lebensmittelpunkt war ein Hausboot in San Francisco. Reinhard lebte mit Ende 30 das Leben, von dem viele träumen, das aber keine Erfüllung mehr war. „Ich wollte raus aus einer Branche, die sich auf Kosten anderer bereichert.“

Reinhard wollte und will Veränderungen. Die Chance zum Absprung bot sich ausgerechnet an dem Ort, den sie als 16-Jährige verlassen und 25 Jahre gemieden hatte, nachdem einer ihrer Brüder starb und die Familie ihr nicht den nötigen Halt gab. Sie stieg in die Rinderzucht ein. Ihre Bekannte Charlotte riet ihr zum Kauf von Galloway-Rindern, „weil das genügsame Viecher sind“. Nachbar Otto Lührs schwärmte von dem tollen Weideland, 20 Hektar.

Die Rückkehr zu ihren Wurzeln, die sie vorher noch gemieden hatte, wurde nun Realität. Sie wagte den Neuanfang in der alten, neuen Heimat. Die Autorin las vor: „Was hatte er gesagt? Gutes Futter für Tiere? Damit mochte er Recht haben. Dieses Gras konnte Tiere nähren. Tiere konnten darauf grasen. Es war sicher nicht nur dafür da, mir einen Abendspaziergang nach einem anstrengenden Arbeitstag zu ermöglichen, mich mit Düften zu verwöhnen und ein Gefühl von Freiheit zu schenken, sondern es ließ sich daraus etwas machen. Ich könnte daraus etwas machen, schoss es mir durch den Kopf, etwas Sinnvolles.“

Mehr über Judith Reinhard lesen Sie in der Freitagsausgabe der „Glocke“.

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