Wohnwagen entfaltet sich wie Blume
Bild: Steinecke
Erst klein und wendig, dann groß und geräumig. Ludger Klinke ist mächtig begeistert von dem genialen Konzept des Knospe-Wohnwagens der Sassenberger Firma Austermann. Beim Auseinanderkurbeln verschieben sich die Seitenwände nach außen, so dass ein geräumiger Innenraum entsteht.
Bild: Steinecke

Wie eine Knospe entfaltet sich der Wohnwagen auf dem Campingplatz zu voller Pracht. Durch das Kurbeln an zwei Zahnradwellen werden die Seitenteile des Anhängers nach außen geschoben, wodurch sich der Innenraum vergrößert. Entwickelt von Heinrich Austermann, wurden rund 1000 Exemplare aller Modelle in den Jahren 1955 bis 1964 von der Sassenberger Firma Au-Wa (Austermann/Warendorf) hergestellt.

„Schmal beim Fahren, breit beim Wohnen“, lautete seinerzeit der Werbeslogan für die Modelle „Z“ (Zwerg), „K“ (klein) und „G“ (groß). Die sind während der Fahrt zwischen 1,40 und 1,70 Meter breit. Auf dem Zeltplatz wächst die Innenbreite auf 2,16 bis 2,50 Meter. Der Vorteil liegt auf der Hand. Der Anhänger besitzt hinter dem Zugfahrzeug nur eine kleine Stirnfläche, was den Luftwiderstand reduziert – und damit auch den Kraftstoffverbrauch. Außerdem war Leichtbau angesagt.

Bei den ersten Exemplaren war die Außenhaut aus mit Harz getränkten und lackierten Pressholzplatten gefertigt. Eindringendes Wasser führte jedoch regelmäßig zu unkontrollierbaren Auflösungserscheinungen. Ab 1959 wurde dann Aluminium eingesetzt. Ab 1961 erfolgte der Einstieg auch nicht mehr über die Deichsel. Das hatte jedoch ein schlechteres Fahrverhalten zur Folge, da der Küchenblock und die Schrankzeile ins Heck des Wohnwagens umzogen und so für eine ungünstige Gewichtsverteilung sorgten.

Preiswert war das Campingvergnügen schon damals nicht. Zwischen 3800 und 6800 Mark kosteten die Raumwunder. Mit Zusatzausstattung wie einer Gasheizung oder einem Kühlschrank ließ sich der Preis noch problemlos steigern. Zum Vergleich: Ein VW Käfer kostete zu der Zeit rund 5000 Mark.

Während Martin Klinke ein K-Modell besitzt, freut sich Ludger Klinke über sein G-Modell. Das hat er in einer Scheune in Espelkamp, wo er 15 Jahre gestanden hatte, gefunden. 2012 erworben und 2013 zugelassen. Allerdings fehlten zunächst die Papiere, die verloren waren. „Das war eine ganz schöne Rennerei“, sagt Ludger Klinke mit Blick auf seinen Behördenmarathon.

Zirka zwei Monate Arbeit steckte Ludger Klinke in seine geliebte Knospe, die jetzt wieder in altem Glanz erstrahlt. Damit ist sein Exemplar eines von rund 60 registrierten Wohnwagen, die noch unterwegs sind. Und die erfreuen sich dank der einfachen robusten Technik einer steten Beliebtheit.

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