Wut und Angst machen sich breit
Bild: Steinecke
Immer häufiger brechen vermeintliche Tierschützer in Ställe ein, um dort zu filmen. Bettina und Andreas Westermeyer machen sich deswegen Sorgen und investieren nun in die Sicherheitstechnik.
Bild: Steinecke

Der jüngste Fall, der dem Vorsitzenden der Landwirte im Kreis Gütersloh bekannt ist, ereignete sich in der Nacht vom 20. auf den 21. Oktober auf dem Hof von Hubertus Beringmeier im Kreis Paderborn. Dort wurde nicht nur eingebrochen, um Filmaufnahmen zu erstellen, es wurde auch die Lüftung der Schweineställe verstopft. Der folgende Temperaturanstieg war für die Tiere lebensgefährlich.

Seit einem Jahr werde in der Region eingebrochen. Andreas Westermeyer spricht von mindestens 20 Fällen in den Kreisen Warendorf, Paderborn und Höxter. Betroffen waren Betriebe mit Schweine-, Puten- und Hähnchenhaltung. Früher waren die Ställe nie abgeschlossen. „Warum auch. Niemand klaut ein Schwein“, erzählt der Landwirt. Module aus Photovoltaikanlagen und die dazugehörigen Wechselrichter seien schon mal entwendet worden. „Jetzt nimmt das bizarre Formen an. Man hat ein mulmiges Gefühl, wenn man nachts auf den Hof geht und fühlt sich nicht mehr sicher“, sagt Westermeyer.

Seine Mutter Maria (84) vermeidet es, allein auf den Hof zu gehen. „Vom Gesetzgeber fühlen wir uns im Stich gelassen“, so der Landwirt, wenn er an die milden Urteile für die Einbrecher denkt. Wütend werden die Westermeyers, wenn sie die Aufnahmen der nächtlichen Besucher in den Medien sehen. In den wenigsten Fällen entspreche das der Realität.

„Die picken sich nur einzelne Sachen heraus. Wenn sie wenigstens bei der Wahrheit bleiben würden, würde keiner was sagen“, erklärt Bettina Westermeyer. Und ihr Mann Andreas ergänzt: „Die Aufnahmen sind manipuliert. Die haben tote Tiere aus der Kadavertonne zurück in den Stall geschlürt und dann gefilmt.“ Auch würden die Bereiche gezeigt, in denen kranke Tiere isoliert gehalten werden. „Es sind nie alle Tiere gesund. So einen Krankenstall haben wir auch“, erzählt Westermeyer, der 2500 Schweine hält.

Eingebrochen worden sei immer bei Bauern, die sich öffentlich engagierten. Unter anderem im Betrieb der NRW-Umweltministerin Christina Schulze-Föcking. Andreas Westermeyer ist seit zweieinhalb Jahren ehrenamtlich als Kreisvorsitzender des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands tätig. Die Familie hat jetzt einen Sicherheitsdienst damit beauftragt, Bewegungsmelder und Überwachungskameras zu installieren. Für eine fünfstellige Summe. „Wird sind nicht paranoid“, so der 52-Jährige. Und seine Frau sagt: „Wir sind doch ganz normale Leute. Eigentlich bräuchten wir so etwas gar nicht.“

SOCIAL BOOKMARKS