1968: Pop, Protest und Provokation
Bild: Bogdanski
Eröffneten die Ausstellung zum Epochenjahr 1968 in Haus Nottbeck (v.l.): Roland Klein, Michael Pavlicic, Rudolf Luster-Haggeney, Prof. Dr. Walter Gödden, Dr. Thomas Strauch und Jeremias Vondrlik.
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Es entwickelte sich eine lebendige Underground-Szene, Franz Josef Degenhardts Protestsongs waren in aller Munde und amerikanische Muster der Beat-Generation wurden adaptiert, um sie in der Lyrik und im Journalismus weiterzuentwickeln. Dieser bunte Mix wird so im Museum für Westfälische Literatur erstmals als Gesamtbild präsentiert.

Politisches Volkstheater auf Theaterbühnen in Westfalen

Am Sonntag ist die Ausstellung eröffnet worden. Nach den Grußworten der Förderer stellte der wissenschaftliche Leiter des Literaturmuseums, Prof. Dr. Walter Gödden, zusammen mit dem Ausstellungsgestalter Jeremias Vondrlik und Dr. Thomas Strauch vom Zentrum für Informations- und Medientechnologien der Universität Paderborn die Konzeption und Inhalte der Ausstellung vor.

„1968 ließen sich auch in Westfalen zahlreiche junge Autoren von der Underground-Literatur in den USA zu eigenen Texten anregen. Es wurden Happenings inszeniert, Pop-Art-Filme gedreht, avantgardistische Zeitschriften gegründet und auf der Theaterbühne der Versuch unternommen, politisches Volkstheater ins Leben zu rufen“, sagt der Museumsleiter und Ausstellungsinitiator, Professor Walter Gödden.

Museumsleiter trägt Texte aus der Zeit in Buch zusammen

Diese Vielseitigkeit veranlasste Gödden dazu, in seinem gleichnamigen Buch zur Ausstellung „1968 – Pop, Protest und Provokation“ unterschiedliche Texte aus dieser Zeit zusammenzutragen und eine Rundumschau der damaligen Bewegung zu schaffen. „Die Autoren wollten mit ihren Texten agitieren, mobilisieren und provozieren. Ihr ästhetischer Anspruch war eher gering. Es ging den Autoren nicht darum, einen neuen Goethe zu erfinden“, fasste Walter Gödden die Beweggründe der Literaten dieser Zeit zusammen.

Unter dem Motto der Provokation standen bereits die beiden Prologausstellungen „We want to make a Revolution - Der Herforder Jaguar-Club“ und „Sexy, Mini, Flower, Pop-Op. Charles Wilp: Werbung, Fotografie, Universalkunst“. Die dort angesprochenen Themen der Erotik und der sexuellen Befreiung spielen auch in die Hauptausstellung hinein, die einen Blick auf die höchst heterogene Literaturszene der 1968er Jahre wirft.

Ausstellung läuft bis zum 28. Januar

Die Bedeutung dieser Bewegung für Westfalen zeigt sich dabei vor allem in der sozialen Literatur, die in dieser Zeit starke Wurzeln ausbilden konnte. So wurde auch Literatur als Massenbewegung zu einem Thema. All diese Aspekte werden in der Ausstellung aufgegriffen, die bis zum 28. Januar im Museum für Westfälische Literatur zu sehen sein wird.

Im Frühjahr 2018 soll der Ausstellungs-Epilog „Mein 68“ folgen. Für diese Schau kann jeder sein Lieblingsexponat – sei es Text, Buch oder Schallplatte – aus dem Jahr 1968 zur Verfügung stellen.

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