„Die Welt ein wenig besser machen“
Bild: Dr. Gehre
Sie gestalteten das Nottbeck-Programm des Kulturfestivals: Schauspieler Johann von Bülow. Ottavia Maria Maceratini (Klavier) und Romanautor Sherko Fatah (v. l.).
Bild: Dr. Gehre

 

Das Gastspiel mit zwei identischen Veranstaltungen am Sonntag im Kulturgut Haus Nottbeck machte deutlich, was unter dieser Prämisse zu verstehen ist, wenngleich man recht mühsam nach dem „geitstig’ Band“ der Verbindung zwischen den Programmteilen suchen musste. Sherko Fatah, in Ost-Berlin aufgewachsener Sohn eines irakischen Kurden und einer deutschen Mutter, hatte das erste Wort. In Teilen seines Romans „Der letzte Ort“ schildert der vielfach ausgezeichnete Literat trotz aller tödlichen Bedrohung mit der nüchternen Objektivität des Reporters seine Entführung und Gefangenschaft in der Hand der islamistischen Besatzer. Damit rückte der Rufer in der Wüste die Stammesheimat seiner Familie in den Fokus der aktuellen Weltpolitik. Befreiende Heiterkeit verbreitete nach diesem Schock die Lesung Johann von Bülows aus Voltaires Novelle „Candide“, in der der Schriftsteller und Philosoph mit Westfalen und seinen Menschen ironisch ins Gericht geht. Mit spitzbübischem Lächeln, schauspielerischem Talent und pointierter Lesung nahm der prominente Gast seine Zuhörer mit auf Candides Reise vom Schloss das Herrn Barons von Thunder ten Tronckh. Sie führte den Abenteurer auf der stetigen Suche nach seiner geliebten Kunigunde durch die halbe Welt und schließlich vom Reich der Inkas über Venedig zurück in die Heimat, wo er fortan brav bürgerlich seinen Garten bestellt. Als musikalische Beigabe zelebrierte die junge italienische Pianistin Ottavia Maria Maceratini ein Programm mit Standardwerken der Klavierromantik von Schumann, Schubert, Chopin und Liszt. Da huschte die mehrfach prämiierte Künstlerin fingerflink über die Klaviatur. Sie beeindruckte bald mit gefühlvollem Anschlag, bald mit pianistischem Furor. Maceratini bewies im maskulinen Zugriff Sinn für dramatische Wirkungen und verausgabte sich in ihrem Spiel bis zur physischen Erschöpfung. Die Zuhörer dankten ihr mit stehend dargebrachten Ovationen für ein Musikerlebnis des Ausnahmefalles.

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