Gut Holz: Tangoklang und Klarinette
Bild: Austrup
Klassische Bandoneón-Klänge gab Bandleader Gerard van Duinen (l.) vor, Mirek Walton bediente die Gitarre.
Bild: Austrup

Es war also ein Experiment, das Musiker und Publikum am Sonntagnachmittag im Sendenhorster Haus Siekmann erwartete. Im Rahmen des internationalen Holzbläser-Festivals „Summerwinds“ der Gesellschaft zur Förderung der westfälischen Kulturarbeit gastierte dort das Gerard-van-Duinen-Quintett. Dem „tanzbaren argentinischen Tango der 1940er-Jahre haben sich die fünf Musiker verschrieben. Dies mit dem Anspruch, ihn ins Heute zu übersetzen.

Frisch trotz 50 Grad

Und zu diesem Zweck erwiesen sich Saxophon (das wegen seines Mundstücks aus naturbelassenem Material zu Recht dem Holz zugerechnet wird), Bassklarinette, Tenor- und Sopransaxofon und Klarinette als ideale Ergänzung zu Bandoneón, Gitarre und Kontrabass. So unterstützt, klingt nicht nur das alt-ehrwürdige „tinto negro“ deutlich frischer, auch moderne Klassiker wie Variationen von Frank Zappa lassen sich problemlos „vertangon“. Flamenco- und Jazz-Elemente vermischten sich fließend mit den ebenso klassischen wie nach wie vor eingänglichen Schieber-Melodien der „Goldenen Zwanziger“. Zwei Stunden lang war das Publikum gefangen genommen von einer Klangfülle, die dank der hervorragenden Akustik des Hauses Siekmann, gleichwohl visuell eindeutig frontal präsentiert, den gesamten Raum einnahm und perfekt ausfüllte. Und wenn auch, vor allem bei den Soli, mit den Holzartisten Christof May und Henri de Vries bisweilen die Jazz-Adern durchgingen, konnte sich nicht zuletzt angesichts der bei tatsächlichen 38 und gefühlten 50 Grad im ausverkauften Raum angesichts beständig fächelnder Damen jedermann in originale argentinische Tango-Tavernen versetzt fühlen.

Experiment gelungen

Sein übriges zur Atmosphäre trug nicht zuletzt Bandleader Gerard van Duinen bei, der, noch in der ersten Hälfte des Konzerts Jacke tragend, im zweiten Teil mit bis zum Bauchnabel aufgeknöpftem Hemd und seinen exotisch-niederländischen Kurzerklärungen einzelner Stücke sowohl visuell-animalische als auch intellektuell-ansprechende Akzente setzte. Ein gelungenes Experiment, zu dem man die Organisatoren nur beglückwünschen kann. Die haben das van-Duinen-Quintett erst vor einem Jahr, quasi für das Festival, aus der Taufe gehoben. Deshalb, und das ist der einzige Wermutstropfen eines fantastischen Abends, gibt es auch noch keine CD vom „Tango de la madera“.

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