Ahlenerinnen sind auf der Flucht vor „Irma“
Jana Deutsch aus Ahlen flieht derzeit mit ihrer Freundin Delphine Glomb vor dem Hurrikan.

Nur eine Woche konnte Jana Deutsch das Paradies der Schönen und Reichen genießen. Dann erfuhr die 23-Jährige zum ersten Mal vom Hurrikan, der – zunächst als Sturm der Stufe vier angekündigt – kurze Zeit später in die höchste existierende Kategorie fünf hochgestuft wurde. „Irma“ entpuppte sich als heftigster Hurrikan seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

Alle Flüge ausgebucht

„Vor vier bis fünf Tagen hörten wir zum ersten Mal in den Nachrichten vom Hurrikan“, berichtet Jana Deutsch. Vor drei Tagen kam die Nachricht von der Schwere des Sturms und die Empfehlung, dass Touristen den Ort verlassen sollten. Dann ging alles ganz schnell. Die Einheimischen verbarrikadierten ihre Häuser, die Regale der Supermärkte waren nach Hamstereinkäufen wie leer gefegt. „Wir hatten richtig Angst und wollten mit dem Flugzeug nach Las Vegas fliegen“, berichtet die Urlauberin. Dann erfuhr sie, dass Flugzeuge nur noch bis Freitag fliegen würden. Am Flughafen stellten die beiden Freundinnen, die mittlerweile Verstärkung von zwei weiteren Sprachschülerinnen aus Deutschland und Tschechien bekommen hatten, fest, dass alle Flüge ausgebucht waren

„Wir wollen nur noch weg“

Mit den vielen schlechten Meldungen – „Irma“ war mittlerweile auf Land getroffen, hatte die Insel Barbuda nahezu zerstört und überall, wo sie vorbeigezogen war, Verwüstungen angerichtet – wuchsen auch die Angst der vier jungen Frauen und die Gewissheit: „Wir wollen nur noch hier weg.“ Glücklicherweise konnten sie einen Leihwagen mieten. Das Benzin war rationiert, für 25 Dollar durften sie tanken. Dann machten sie sich auf den Weg über den verstopften Highway nach Orlando, wo sie, nach deutscher Zeit, in der Nacht zu Donnerstag eintrafen, sich ein Hotelzimmer nahmen, um erst einmal vier Stunden zu schlafen. Dort erfuhren sie auch, dass Teile Miamis evakuiert werden sollen. „Niemand weiß genau, ob der Wirbelsturm noch einmal die Richtung ändert oder direkt auf Miami trifft“, sagt Jana Deutsch. „Außerdem kommen nach ‚Irma‘ noch zwei weitere Hurrikans“, fügt sie hinzu.

In Orlando fühlen sich die vier Urlauberinnen aber noch lange nicht sicher. „Wir wollen so weit weg wie möglich.“ Ihr nächstes Ziel ist Alabama, acht Stunden Fahrt, 809 Kilometer entfernt. In Orlando begann die Suche nach einer Tankstelle, die noch Benzin vorrätig hatte. Nachdem die ersten Tankstellen ausverkauft waren, wurden sie an einer Station fündig und konnten ihr Auto volltanken

Tausende sind auf der Flucht

Tausende seien auf der Flucht, berichtet Jana Deutsch. Die Schulen in Miami, auch die Sprachschule, seien geschlossen und Türen sowie Fenster mit Brettern zugenagelt worden. Der Notstand sei ausgerufen worden, habe sie gerade erfahren. „Eigentlich wollte ich jetzt am Strand liegen“, sagt die Einzelhandelskauffrau, die in Miami ihre Englischkenntnisse auffrischen wollte. Stattdessen fährt sie nun stundenlang mit einem Leihwagen den Highway entlang, mit dem Ziel, so weit weg wie möglich zu kommen, wenn „Irma“ vermutlich am Samstag oder Sonntag auf Miami trifft

SOCIAL BOOKMARKS