Archäologe dreht Zeit um 500 Jahre zurück
Bilder: Detlef Peter Jotzeit
Das Hauptaugenmerk von dem LWL-Archäologen Andreas Wunschel (l.) bei den Untersuchungen auf dem Ahlener Markt liegt auf den Fundamentresten des abgerissenen älteren Rathauses und einem vor 500 Jahren abgerissenem Eckgebäude. Unterstützt wird er dabei von dem FSJ-ler Aaron Frank.
Bilder: Detlef Peter Jotzeit

Ungefähr zu dem Zeitpunkt, als Martin Luther vor 500 Jahren seine 95 Thesen gegen den Missbrauch des Ablasses angeschlagen habe, sei dort ein Eckgebäude aufgegeben und abgerissen worden, erklärt der Experte. Davon zeugten heute noch alte Fundamentreste und Fundstücke.

Das Hauptaugenmerk des Wissenschaftlers liegt aber auf den Fundamentresten des alten Rathauses. Der Vorgänger des jetzigen Alten Rathauses stand bis 1902 auf dem Marktplatz.

Erste Grabungen hatte es in dem Bereich schon in Jahr 1985 gegeben. Bei der damaligen Marktplatz-Umgestaltung hatten sich Ahlener Hobbyarchäologen einen Namen gemacht. Unter der Regie von Bodendenkmalpfleger Heinrich Kemper waren Mitglieder des Heimat-Förderkreises für westfälische Tradition in die Tiefe vorgestoßen und hatten über eine Länge von mehr als 20 Metern die Fundamente des abgerissenen älteren Rathauses freigelegt.

Die Ausbeute bei den Fundstücken in Ahlen ist schon recht ansehnlich: Lederreste, Keramikscherben und -gefäße sowie jede Menge Knochen von Hunden, Schweinen sowie Ziegen und Schafen.

„Die Arbeiten wurden unter der Fachaufsicht des Archäologischen Landesmuseums durchgeführt“, wirft Wunschel einen Blick zurück. Denkmalschutz wie heute habe es da noch nicht gegeben. Aber alles sei gut dokumentiert und bildlich festgehalten worden, stellt der Archäologe den freiwilligen Grabungskräften von früher ein gutes Zeugnis aus. Für ihn selbst sei das auch interessant, sagt der 30-Jährige: „Das sind Sachen vor meiner Geburt.“

Aktuell ist das Loch vor dem Alten Rathaus gut anderthalb Meter tief. „Die Fundamentmauern mit den großflächigen Bruchsteinen sind gut erhalten und weisen eine Besonderheit auf“, verrät Wunschel. Deutlich seien unterschiedliche Bauphasen zu erkennen. So sei am östlichen Mauerwerk mit viel Kalkmörtel gearbeitet worden, während der im westlichen Bereich davon kaum verwendet worden sei. Die Qualität des 1,1 Meter breiten Fundaments beschreibt er als extrem solide und gut.

Basierend auf den alten Vermessungen werden die Bereiche nun digital erfasst und ergänzt. Quasi jeder Stein ist am Bildschirm zu erkennen. „Diese Arbeiten machen wir, wenn es draußen schüttet“, erklärt Wunschel, der dankbar ist, dass ihm im Gemeindezentrum der Pfarrei St. Bartholomäus ein Zimmer zur Verfügung gestellt wurde. „Da sitzen wir im Trockenen“, sagt er.

Ausführlicher Bericht in der „AT“-Ausgabe vom 7. Oktober.

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