Die Parallelen zu damals nicht erkannt
An der Ahlener Gedenkstele zur Erinnerung an die Opfer des Holocaust im Dritten Reich an der Klosterstraße legten am Donnerstagabend bei der Gedenkfeier zur Pogromnacht 1938 (v. l.) Bürgermeister Dr. Alexander Berger, Ruth Frankenthal und Prof. Dr. Thomas Sternberg einen Kranz nieder.

 Für die Vorsitzende der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Münster ist der Einzug der AfD in den Bundestag „eine hochbrisante und dramatische Entwicklung“.

Der Bürgermeister zitierte in seiner Rede Bundeskanzlerin Angela Merkel und den ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog: „Totalitarismus und Menschenverachtung bekämpft man nicht, wenn sie schon die Macht ergriffen haben.“ Man müsse sie schon bekämpfen, wenn sie – vielleicht noch ganz zaghaft – das Haupt erhöben.

Seit mehr als 25 Jahren komme sie zur Gedenkveranstaltung am 9. November nach Ahlen, um zu mahnen, damit sich Geschichte nicht wiederhole, betonte Ruth Frankenthal (Münster) vor rund 150 bis 200 Menschen. Sie hätte sich damals nicht träumen lassen, dass heute Rechtspopulisten in ganz Europa und auch in Deutschland viele Anhänger fänden.

Millionen von Menschen seien auf der Flucht und erlebten auch in Deutschland Anfeindungen, beklagte die Vorsitzende der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit. In ihrer Verunsicherung fielen die Menschen vor Ort auf Rechtspopulisten rein. „Die erkennen die Parallelen zu damals nicht.“ Die AfD und die Pegida-Bewegung erinnere sie stark an die 1930er-Jahre mit der NSDAP.

„Ahlen hat keine jüdische Gemeinde mehr“, sagte Gastredner Prof. Dr. Thomas Sternberg (Präsident des Zentralkomitees der Katholiken) bei der Gedenkfeier zur Pogromnacht (1938). Sie sei damals ausradiert worden. „Da fehlt uns heute etwas.“ Mit Blick auf die Historie und die „monströsen Taten“ der Nazis stellte Sternberg fest: „Wir haben ein ganzes Paket an Geschichte zu tragen.“

Mehr in der Ausgabe vom 11. November 2017

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