Frau klagt gegen Heimatverein Vorhelm
Bild: Lange
Unruhige Zeiten stehen dem Heimatverein in Vorhelm bevor: Eine Ahlenerin hat eine einstweilige Verfügung gegen den Verein erwirkt. Grund ist ein 40 Jahre altes Foto im Kalender „Historische Ansichten aus Vorhelm“, auf dem die Klägerin als Kind abgebildet ist.
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Sie hat sich auf einem Foto im Kalender wiedergefunden und fühlt sich in ihrem Persönlichkeitsrecht verletzt. Am 16. März findet das Hauptsacheverfahren statt, in dem es um den Schmerzensgeldanspruch der Frau geht.

Der Streitwert liege über der 5000-Euro-Marke, deshalb sei das Landgericht Münster und nicht das Amtsgericht Ahlen zuständig, informiert Dr. Daniel Stenner, Dezernent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit am Landgericht Münster, auf „AT“-Anfrage.

Seit fünf Jahren vertreibt der Heimatverein Bildkalender mit historischen Ansichten Vorhelms. Die Monatsblätter werden mit Fotos aus dem Bildarchiv eines 2008 verstorbenen Dorfchronisten gestaltet. Das Märzmotiv 2017 beschäftigt nun die Juristen: Das 1977 aufgenommene Bild zeigt acht Mädchen in knapper Sportbekleidung in der Turnhalle der Augustin-Wibbelt-Schule. Eine davon ist die Klägerin.

„Bild ist kein Ereignis der Zeitgeschichte“

Der Heimatverein hatte gegen die einstweilige Verfügung Widerspruch eingelegt. „Bei einer Anhörung am Montag blieb die Zivilkammer bei ihrer Auffassung: Die einstweilige Verfügung hat Bestand, das Märzbild darf nicht mehr abgedruckt werden“, berichtet Dr. Stenner. Die Kammer sehe das Recht am eigenen Bild als verletzt an. Die Klägerin sei auf dem Foto klar zu erkennen. „Das Bild zeigt kein Ereignis der Zeitgeschichte, es ist zeitlich nicht bedeutsam, es gibt keinen Ausnahmetatbestand“, so Dr. Stenner weiter. Die Erläuterung zum Märzblatt stelle die Turnhalle in den Mittelpunkt, doch die abgebildeten Mädchen seien kein Beiwerk, sondern der Mittelpunkt.

 „Eine Veröffentlichung des Bildes muss man nicht dulden“, erläutert der Pressereferent. Und weiter: „Selbst eine Einwilligung der Eltern, die Kinder abzulichten, rechtfertigt nicht die kommerzielle Weiterverwertung des Bildes Jahre später im Rahmen eines Kalenderverkaufes.“

Einmaliger Fall für Kalendermanufaktur

250 bis 300 Kunden pro Jahr lassen ihre Heimatkalender bei der Manufaktur Verden drucken. Der Vorhelmer Fall ist laut Harald Nienaber, Inhaber des Hauses der Werbung, zu der die Kalendermanufaktur gehört, einmalig. „Seit zwölf Jahren verlegen wir Heimatkalender, an denen sich die Menschen erfreuen“, sagt der Firmenchef auf „AT“-Anfrage. „Und nun fühlt sich eine Frau wegen eines 40 Jahre alten Fotos brüskiert.“ Er betrachte das Bild als Erinnerungsstück. „Es stehen keine Namen der Personen dabei, niemand weiß, um wen es sich handelt“, sagt er.

Heimatverein bezieht keine Stellung

Willi Wienker, Vorsitzender des Heimatvereins, wollte auf Anfrage des „Ahlener Tageblatts“ keinen Kommentar abgeben.

Mehr im „AT“ vom 10. Februar.

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