Freie (Einbahn-)Straße für Radfahrer
Bild: Lange
Fünf Einbahnstraßen sollen in Ahlen für den Radverkehr in die Gegenrichtung geöffnet werden.
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Der Zuspruch war gering: Gerade mal 20 Interessierte hatten sich in den Ratsaal verirrt. 530.000 Euro an Fördermitteln stelle der Bund der Stadt Ahlen zur Verfügung, um die Attraktivität für Radfahrer zu steigern, führte Bürgermeister Dr. Alexander Berger zu Beginn aus. Begeistert zeigte er sich von der Aktion Stadtradeln: Seit dem Start seien mehr als 56.000 Kilometer (Stand: Dienstagabend) erradelt worden. „Ein guter Wert, der noch besser werden kann“, sagte der Verwaltungschef.

Stadtplanerin Angelika Schöning berichtete, dass Ahlen im Jahr 2015 in den Kreis fahrradfreundlicher Städte aufgenommen worden sei. Dennoch müssten im Bereich der Nahmobilität die Übergänge noch fließender werden. Eine Defizitanalyse für den Radverkehr in der Innenstadt habe ergeben, dass Verkehrsräume zu eng seien. „Die Innenstadt ist für den Radverkehr nicht durchlässig“, sagte Schöning. Wer mit dem Rad unterwegs sei, müsse Umwege in Kauf nehmen, um zu seinem Ziel zu gelangen. Und bestehende Radwege im Innenstadtbereich seien der heutigen Straßenverkehrsordnung zufolge zu schmal.

Eine neue Verkehrsführung soll Abhilfe schaffen. „Die sicheren Radfahrer nutzen zukünftig die Fahrbahn und überlassen den gemütlichen und schutzbedürftigen Radlern mehr Raum“, erläuterte Schöning. Der motorisierte Verkehr verlangsame sich dadurch. Eine weitere Folge: Die Aufenthaltsqualität erhöhe sich vor allem für den Fußgänger, der mehr Bewegungsspielraum erhalte.

So stellt sich das mit der Stadt Ahlen zusammen arbeitende Planungsbüro Orange Edge die entzerrte Situation am Anfang der Moltkestraße vor.

Mit der neuen Radverkehrsführung soll das Fahrrad als Fortbewegungsmittel attraktiver werden. Der Autofahrer müsse sich auf die für ihn neue Situation einstellen. Schönig sei sicher, dass wiederholte Begegnungen mit dem Radfahrer die Aufmerksamkeit und das Miteinander förderten. Die Stadtplanerin gab einen weiteren Ausblick auf die Öffentlichkeitsarbeit. Unter anderem ist ein Stadtfahrplan für Radfahrer in Vorbereitung, ebenso die Produktion eines Kinospots. Und die fleißigsten Radler im Rahmen des Stadtradelns würden gekürt.

Außer den Bauprojekten zur Erhöhung der Durchgängigkeit der Ahlener Innenstadt hat die Verwaltung kurzfristige Maßnahmen geplant, die das selbe Ziel verfolgen: Fünf Einbahnstraßen sollen für den Radverkehr in die Gegenrichtung geöffnet werden. Dies bedeutet gleichzeitig die Einrichtung einer Tempo-30-Zone für die betroffenen Straßen Nordenmauer, Wallstraße, Holzweg, Ostenmauer und Moltkestraße. Piktogramme auf der Fahrbahn sowie Schilder sollen Pkw-Fahrer auf die veränderte Situation aufmerksam machen. Gerrit Hegemann (Stadtentwässerung und Straßenbau) begründete die Änderungen.

Schritttempo für Radler auf dem Marktplatz

Am Holzweg etwa sei der Radweg in Fahrtrichtung der Einbahnstraße zu schmal, weswegen die Radfahrer auf die Fahrbahn geführt werden sollten. Ungeübte Radfahrer könnten den Weg entlang der Bahnlinie nutzen. Am Anfang der Moltkestraße soll die Situation insofern entzerrt werden, dass der Parkstreifen auf der Seite der Sparkasse einem Schutzstreifen (1,25 Meter breit) für Radfahrer weicht, die die Einbahnstraße in entgegengesetzte Richtung befahren. Der Fußweg wird 2,90 Meter breit sein. „Dies führt zur Entspannung für die Fußgänger“, sagte Hegemann.

Eine Neuerung stellte der Mitarbeiter der Ahlener Umweltbetriebe auch für die Fußgängerzone vor: Überlegungen, diese gänzlich für den Radverkehr freizugeben, hätten zur Unruhe in der Bevölkerung geführt. „Wir haben das als Anregung aufgefasst“, sagte Hegemann. Der neue Plan sieht vor, dass Radfahrer die Fußgängerzone ab Weststraße bis zur Einmündung in die Steingasse sowie den Marktplatz ganztägig befahren dürfen – und zwar in Schrittgeschwindigkeit. „Das funktioniert am besten über Kontrolle“, so Hegemann weiter.

Mehr im „AT“ vom 14. September.

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