Himmel weint: letzte Schicht bei Bäcker Haake
Bilder: Detlef Peter Jotzeit
Die letzte Schicht in der Bäckerei Haake: Das Team hat sich am Samstag von der treuen Kundschaft verabschiedet.
Bilder: Detlef Peter Jotzeit

Nicht nur der Himmel weinte fast den ganzen Samstagvormittag über, auch so floss im Laufe des Tages manche Träne. Obwohl die Belegschaft zunächst kaum Zeit hatte, über das endgültige Aus lange nachzudenken. Denn schon bei der Öffnung der Bäckerei um 5.30 Uhr standen die Kunden Schlange - es herrschte Großandrang. Jeder, der das Brot, die Brötchen und den Kuchen von dem Ahlener Traditionsbäcker Haake zu schätzen wusste, fand sich ein, um ein letztes Mal die liebgewonnen Leckereien zu kaufen.

Etwas Melancholie hatte schon in den Tagen zuvor im Hause Haake mitgeschwungen. Das räumte Bäckermeister Michael Haake offen ein. Seiner Ehefrau Annegret sowie seinem Sohn Jörg und Schwiegertochter Rabea war es nicht anders gegangen. 

Verschnaufpausen hatte sich die Familie Haake in den vergangenen drei Monaten kaum gegönnt. Alle Blicke waren auf die Schließung (das „AT“ berichtete) gerichtet. „Es gab viel zu regeln“, sagte Michael Haake rückblickend. Und das alles neben dem weiter laufenden Betrieb. „Es ist toll, wie die Belegschaft mitgezogen und durchgehalten hat“, lobte der Bäckermeister seine Mitarbeiter. Das sei nicht selbstverständlich gewesen.

Besonders beeindruckt waren die Familie Haake und die Mitarbeiter von ihren Kunden. „Wir haben in den vergangenen Wochen eine Menge Wertschätzung erfahren“, zeigte sich Michael Haake sichtlich gerührt. Es habe viele persönliche Gespräche gegeben. Zahlreiche Kunden hätten sich zudem beim Personal bedankt und den Mitarbeitern alles Gute für die Zukunft gewünscht. „Für einige ist das hier wohl ein Stück Heimat gewesen“, so der Bäckermeister.

Abschied nehmen hieß es am Samstag für (v. l.) Rabea, Jörg, Michael und Annegret Haake. Die Ahlener Traditionsbäckerei hat ihre Pforten für immer geschlossen.
Das wurde auch in einer von vielen Dankeskarten deutlich. Darin verabschiedete sich ein Ehepaar mit sehr persönlichen Worten vom Bäckerei-Team. „Beim Lesen sind Tränen geflossen“, räumte Jörg Haake offen ein.

Stolz ist die Familie Haake auf die Treue ihrer nunmehr ehemaligen Kunden. Ein großer Teil davon habe sie in den vergangenen vier Jahrzehnten begleitet. Viele seien quer durch die Stadt gefahren oder sogar von außerhalb nach Ahlen gekommen, um hier Brot, Brötchen oder Kuchen zu kaufen.

Wie wichtig auch Handwerker für das reibungslose Funktionieren einer Bäckerei waren, das hatte Michael Haake in der Vergangenheit gleich mehrfach erfahren. „Einmal ist Heiligabend der Strom ausgefallen, mal war nachts der Ofen defekt, ein anders Mal die Kühlung kaputt“, erinnerte er sich an besonders spektakuläre Fälle. Da sei die Not schon recht groß gewesen, sagte er rückblickend. Doch auf seine Handwerker sei immer Verlass gewesen, lobte er seine langjährigen Handwerksbetriebe und deren Mitarbeiter. „Ein Anruf – und sie standen auf der Matte, auch nachts. Einfach klasse.“

Streuselkuchen zum Abschied

Zum Abschied gab es am Samstag eine Streuselkuchenparty mit Musik und Getränken. Und wie sollte es anders sein bei der Familie Haake, die über Jahrzehnte hinweg viele Vereine und Veranstaltungen unterstützt hat: „Der Erlös ist für die Paul-Gerhardt-Kirche bestimmt.“

Und worauf freut sich der Bäckerfamilie am meisten bei dem Neuanfang? Annegret Haake will in Zukunft drei Mal in der Woche morgens schwimmen gehen. „Auf dem Rückweg bringe ich dann Brötchen mit“, sagte sie. Zudem freue sie sich, nun mehr Zeit für die Enkelkinder zu haben und auf die Urlaubswoche Mitte Oktober auf Norderney.

Hatte Michael Haake durch den frühen Dienstbeginn am Backofen bislang nur selten Zeit, an Abendveranstaltungen teilzunehmen, so denkt der Bäckermeister im Ruhestand schon jetzt an Tralla-City-Veranstaltungen und Rock-am-Schacht oder Fußballgucken im Gemeindesaal der Paul-Gerhardt-Kirche. „Und dann noch am Samstagmorgen durch die Stadt bummeln und Zeit zum Quatschen haben – einfach schön.“

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