Ladenöffnungszeiten sind Totengräber der Kioske
Bild: Wittmann
Nachdem bei der Stadt Anzeigen wegen seines Kioskbetriebs an der Gemmericher Straße in Ahlen eingegangen sind, hat Volker Bahrenberg nun Ärger. Dies könnte auch Folgen für weitere Büdchen haben. Den Rücken stärken dem Pächter allerdings Kunden, die per „Bürgerbegehren“ den Treffpunkt unterstützen.
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Mitverantwortlich am Büdchensterben ist das Gesetz zu den Ladenöffnungszeiten, das den Kiosken – anders als beispielsweise Tankstellen – sonntags nur fünf Öffnungsstunden zugesteht. Nur wer zudem eine Gaststättenkonzession vorweisen kann, darf länger aufhaben. Die Fünf-Stunden-Regelung könne einem das Genick brechen, zumal das Wochenende die umsatzstärkste Zeit sei, so ein Kioskverkäufer zum „AT“. Bislang sei er davon ausgegangen, dass für sogenannte Mischbetriebe diese zeitliche Einschränkung nicht gelte. Andere wollten sich zu dem Thema lieber gar nicht äußern.

In Ahlen wurde der Stein ins Rollen gebracht, nachdem Probleme, die ein Kioskpächter mit der Stadt hat, öffentlich wurden. Nun ist die Stadtverwaltung in Zugzwang. Sprich: Die Stadt wird laut Gabriele Hoffmann Hinweisen nachgehen und prüfen, ob noch weitere Kioske gegen das Ladenöffnungsgesetz verstoßen. Das Gesetz mit den Ladenöffnungszeiten ist nicht neu, sondern gibt es in dieser Form schon seit 2005. Doch: wo kein Kläger, da kein Richter.

Bislang konnte man sonntags an vielen Kiosken von früh bis spät einkaufen. Im Zuge der Gleichbehandlung müssten aber, wie Silke Fischer (Abteilung Recht und Ordnung) erläutert, nun alle Kioske auf den Prüfstand – wenngleich die Stadtverwaltung um die Nöte und Probleme der Kioskbetreiber wisse und man diese keinesfalls ihrer Existenz berauben wolle. Hintergrund der ganzen Geschichte ist der Kiosk von Volker Bahrenberg an der Gemmericher Straße, der wegen des Geschehens rund um die Bude – unter anderem wegen des nicht genehmigten Getränkeausschanks und des eingerichteten Biergärtchens – ins Visier der Stadtverwaltung geraten ist.

Bahrenberg darf den Kiosk nun nur noch nach den geltenden Ladenöffnungszeiten betreiben: Von Montag bis Samstag hat er weiterhin von 6 bis 21 Uhr offen, aber an Sonn- und Feiertagen statt 14 nur noch fünf Stunden. An zwei Sonntagen und vier Feiertagen hat er diese Erfahrung bereits machen dürfen. Unterm Strich fehle ihm ein Umsatz von 1500 Euro, sagt Bahrenberg.

Für den Ausschank von Getränken und das kleine Biergärtchen neben seinem Kiosk an der Gemmericher Straße will Volker Bahrenberg (51) nun eine schriftliche Genehmigung beantragen. Bislang habe für ihn eine mündliche Unterredung mit dem Ordnungsamt gegolten, sagt er zum „AT“.

Seit 1988 betreibt Bahrenberg den Kiosk. Sein Verpächter ist die Stadt Ahlen. Das Biergärtchen sei vor ein paar Jahren entstanden, da es Probleme mit Trinkgelagen im Park dahinter gegeben habe. Er habe damals das Ordnungsamt so verstanden, dass es der Stadt lieber sei, wenn sich die Leute direkt an der Bude aufhielten. Aber auch das ist ohne Ausschankgenehmigung im Grunde nicht gestattet: Wer am Kiosk Flüssiges kaufe, dürfe es nicht direkt dort trinken, sondern es gelte eine Bannmeile von 15 Metern rund um das Gebäude, erläutert Silke Fischer von der Stadtverwaltung die Regelung.

Mit einer am Kiosk ausliegenden Unterschriftenliste, betitelt mit „Bürgerbegehren“, wollen Kunden und Anwohner nun Volker Bahrenberg den Rücken stärken. Wer sich eintrage, bekräftige, dass er den Kiosk, der den Stadtteil ja auch belebe, als Treffpunkt gut finde, erläutert Bahrenberg. Die Anregung dazu sei aus der Kundschaft gekommen. „Viele Leute sind mit dem Kiosk groß geworden“, sagt Bahrenberg. Die Liste könne Gesprächen mit der Stadt Nachdruck verleihen.

Lesen Sie mehr in der Samstagausgabe des „AT“.

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