Schüler erinnern an Bücherverbrennung
Drei Kerzen zum Gedenken an die von den Nazis verdammten Schriftsteller entzündeten die vortragenden Schüler, Lehrerinnen und Buchhändlerinnen, nachdem sie „ihr“ Buch auf dem Scheiterhaufen platziert hatten.

 Es ist eine eindrucksvolle Kulisse, die die Zehntklässler der Städtischen Realschule gestern Mittag geschaffen haben, um an die Bücherbrennung der Nazis vor 79 Jahren zu erinnern. Gemeinsam mit ihren Altersgenossen von der Ketteler-Hauptschule bilden die Jugendlichen einen Kreis um den symbolischen Scheiterhaufen, um hier der Schriftsteller zu gedenken, deren Werk 1933 auf barbarische Weise zerstört wurde.

Dem Stellvertretenden Bürgermeister Dr. Rudolf Grothues ist es bei der mittäglichen Feierstunde überlassen, den zeitgeschichtlichen Zusammenhang herzustellen. Grothues erinnert an die Machtergreifung der Nationalsozilisten 1933 und die gesteuerte Aktion gegen jüdische, marxistische und pazifistische Literatur. Deren geplante Verbannung aus den Buchhandlungen und Bibliotheken Deutschlands gipfelte in der Aktion, der am 10. Mai und in der Zeit danach Tausende von Büchern der 94 gebrandmarkten Autoren bei mindestens 70 Verbrennungen zum Opfer fielen.

Der Redner erwähnt die unrühmliche Rolle der geichgeschalteten Studentenschaft ebenso wie die „Hilfsbereitschaft“ der Berliner Feuerwehr oder die Ohnmacht der Buchhändler, die angesichts von drohender Strafverfolgung nicht zu protestieren wagten. Grothues unterstreicht die Wichtigkeit der Erinnerung an die damaligen Vorgänge, um auch heute Flagge gegen Diskriminierung, Intoleranz und Verfolgung zu zeigen: „Das ist ein wichtiges Zeichen für unsere Gemeinschaft, für unsere Stadt Beckum.“

Den seinerzeit verfemten Schriftsteller erteilen Schüler, Lehrer und Bücherei-Mitarbeiterinnen anschließend das Wort. Kurze Texte von Brecht bis Becher, von Marx bis Ringelnatz und von Kästner bis Heine werden vorgetragen. Die Rezitatoren stellen jeweils zum Ende ihres Vortrages das Buch auf den Holzstoß, zünden dazu drei der um den Scheiterhaufen platzierten Grableuchten als Zeichen der Trauer und der Erinnerung an.

Am Ende der zehn Vorträge fordert Konrektorin Marietheres Bieckmann zur Schweigeminute auf, bevor die Transparente eingerollt werden und die Trommler sich zurückziehen. Applaus gibt es am Ende nicht nur von den Jugendlichen, sondern auch von sichtlich beeindruckten Passanten auf dem Marktplatz.

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