Blau liegt der Tuttenbrocksee nur wenige Meter entfernt. Hunderte Menschen räkeln sich auf Decken, paddeln auf Luftmatratzen, planschen im Wasser. Ein solcher Andrang will bewältigt werden. Doch hat Dagmar Ossenbrink offenbar alles im Griff.
„Die Organisation ist das A und O“, sagt die 44-Jährige und pustet sich eine Ponysträhne aus dem Gesicht. Wenn die Seebesucher morgens noch im Bett liegen oder sich beim Frühstück Gedanken über ihren Tagesausflug machen, muss Dagmar Ossenbrinks Plan schon stehen. Mit bis zu zwölf Mann pro Schicht stemmt die Pächterin des Tuttenbrock-Strandes einen Sommertag.
Einen der wichtigsten Posten am Platz hat ein Mann im orangefarbenen T-Shirt inne: der Bademeister. Mehr als 2500 Besucher zieht der geflutete Steinbruch bei schönem Wetter an. Da ist Aufsicht Pflicht, sagt die Stadt Beckum. Die ist Eigentümerin des Sees.
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Dagmar Ossenbrinks Liaison mit dem kühlen Nass an der Grevenbrede begann vor 19 Jahren. „Ich führte damals eine Truckerkneipe“, sagt die 44-Jährige. Eine Gastronomie am Tuttenbrockstrand, das war ein lang gehegter Familientraum. Sie setzte ihn um, brachte Container, Buden und Toiletten an den Strand. Doch heißt es bald Abschied nehmen. Wohl für immer. „Im September ist Schluss“, sagt Ossenbrink. Dann endet der aktuelle Jahresvertrag und ein Großteil des Strandes wird zum Skigebiet. Zum Wasserskigebiet.
Bei dieser Vorstellung werde ihm komisch zumute, sagt Ralph Kretschmann. Seine Stellenbeschreibung am See? „Mädchen für alles“, sagt er. Das fange morgens beim Auffüllen der Eistruhe an. Und endet mit echten Freundschaftsdiensten: „Hast du mal ein Auge auf meine Sachen?“, bittet ein Badegast und macht sich auf Richtung Wasser. Der 51-Jährige hat ein Auge. Auch dafür. Den Blick, den er beim Gedanken an den bevorstehenden Abschied auf den See wirft, verbirgt er jedoch hinter seiner dunklen Sonnenbrille.

