Zug wechselt Schienen im Eiltempo aus
Bild: Krogmeier
Direkt neben der Großbaustelle rollen über die Güterzugstrecke weiter die Züge, wenn auch mit gedrosselter Geschwindigkeit.
Bild: Krogmeier

Er bringt es somit auf eine Länge von fast 600 Metern und arbeitet wie ein Uhrwerk. Etwa 300 Meter Gleise können mit dieser Umbaumaschine der Firma Schweerbau pro Stunde verlegt werden.

Insgesamt werden zwischen Neubeckum und Oelde auf elf Kilometern die Gleise komplett erneuert. „Sie sind bereits zwischen 30 und 35 Jahren alt und müssen bei einer Lebensdauer von rund 25 Jahren jetzt durch neue ersetzt werden“, macht Matthias Aßmuth, Leitender Bauüberwacher der Deutschen Bahn AG, am Donnerstag vor Ort auf der Baustelle im Gespräch mit der „Glocke“ deutlich. Das gilt auch für je zwei Weichen und Gleise im Bahnhof Neubeckum.

Für diese umfangreichen Arbeiten beim Schienen- und Schwellenwechsel kommt mit dem Gleisumbauzug ein Wunderwerk der Technik zum Einsatz. Bei einer Geschwindigkeit von etwa vier Metern pro Minute werden mit dieser ausgefeilten Technik zum einen der alte Schotter und das alte Gleis ausgebaut, zum anderen können anschließend die neuen Schwellen, jede von ihnen ist rund 300 Kilogramm schwer, und Schienen mit einer Länge von jeweils 180 Metern verlegt werden.

Mühelos fädelt die auf den Gleisen langsam rollende Maschine die tonnenschweren alten Eisenbahnschienen ein, um sie genauso mühelos gegen neue auszuwechseln. „Das funktioniert am besten bei Temperaturen um die 21 Grad“, stellt Oberbauleiter Jens Wolthausen von der Firma Schweerbau in Stadthagen mit Blick auf das Anpassen der neuen Schienen fest.

Zwei Portalkräne fahren auf dem Gleisumbauzug ständig hin und her. Damit werden die alten Materialien abtransportiert und die neuen zum Einbau herangebracht.

16 000 Meter Schwellen werden verlegt

Es sind beeindruckende Zahlen, die Matthias Aßmuth von der Deutschen Bahn AG auf der Baustelle zwischen den Bahnhöfen Neubeckum und Oelde nennt: Mehr als 16 000 Schwellen, jede rund 300 Kilogramm schwer, und 22 000 Meter Schienen werden ausgetauscht. 45 000 Tonnen Neuschotter müssen ebenso bewegt werden wie fast 50 000 Tonnen Altstoffe, die entsorgt werden. Auf einer Länge von rund 3500 Metern wird die Tiefenentwässerung erneuert.

Seit dem 17. Juli nimmt die Deutsche Bahn AG diese umfangreichen Gleiserneuerungen auf den beiden Personenzuggleisen zwischen Neubeckum und Oelde vor. Insgesamt rund sieben Millionen Euro investiert das Unternehmen hier in sein Schienennetz. Die Planungen nahmen zuvor fünf Jahre in Anspruch.

Schon Anfang Juli hatte man mit dem Aufbau einer festen Absperrung zwischen dem jetzigen Arbeitsbereich und den beiden weiter benutzten Güterverkehrgleisen begonnen. „Diese Absperrung bringt mehr Sicherheit für die Mitarbeiter auf der Baustelle“, bestätigt Aßmuth im Gespräch mit der „Glocke“. Immerhin sind dort ständig 17 Arbeiter im Einsatz. Auf der Strecke zwischen Oelde und Neubeckum sollen die Arbeiten bis Ende August abschlossen sein. Im Bereich des Bahnhofs Neubeckum ist geplant, sie bis Mitte September ebenfalls zum Anschluss zu bringen.

„Der Einsatz des Gleisumbauzugs bringt eine höhere Qualität und mehr Sicherheit für die Mitarbeiter“, stellte Jens Wolthausen von der Firma Schweerbau im Gespräch mit der „Glocke“ fest. Die Arbeit gehe zudem schneller, blickte er auf eine Schienenstrecke von rund 4,5 Kilometern Länge, die allein gestern und heute geschafft werden sollen.

Einschränkungen des Zugverkehrs

Durch die Arbeiten auf den beiden Personenzugstrecken kommt es zwischen Oelde und Neubeckum zu Einschränkungen des Zugverkehrs. Da die Personenzüge des Fern- und Regionalverkehrs über die Güterzugstrecke umgeleitet werden müssen, können in den Bahnhöfen Oelde und Neubeckum nur die dort als Übergangslösung eingerichteten Notbahnsteige angefahren werden. Dort gibt es keine Möglichkeit zum Ein- und Ausstieg von mobilitätseingeschränkten Fahrgästen. Es sind zudem Fahrplanänderungen erforderlich geworden, da die Züge in den Baustellen auch deutlich langsamer fahren müssen. So fahren sogar einzelne ICE und IC bis zu 15 Minuten früher von ihren Startbahnhöfen ab.

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