Flüchtlinge wollen Verkehrsregeln lernen
Bild: Engelbrecht
Neugierig hören mehr als 30 Flüchtlinge Carola Krewerth bei der Schulung im evangelischen Gemeindehaus in Ennigerloh zu. Die Schulung ist ein Angebot der Polizei Warendorf und des Betreuerkreises für Flüchtlinge in Ennigerloh.
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Vor ihr sitzen mehr als 30 Männer, Frauen und Kinder, die zwar nicht ihre Sprache sprechen, aber versuchen, ihr über die gezeigten Symbole und Gesten zu folgen. Bevor Carola Krewerth die weiteren Verkehrszeichen erklärt, übersetzen Rami Khazna und Jawed Yasing die Regeln auf Arabisch und Farsi. Aufmerksam verfolgen die anderen Teilnehmer die Erläuterungen, tauschen sich untereinander aus und fragen nach, wenn sie etwas nicht verstehen. Gemeinsam mit dem Ennigerloher Betreuerkreis bietet die Polizei Warendorf an diesen Tag im evangelischen Gemeindehaus in Ennigerloh eine Schulung zum Thema Fahrradfahren an.

„Nicht-Zuwanderer sollten Vorbild sein“

Das Angebot stößt bei den aus Afghanistan, Albanien, Syrien, dem Kosovo, dem Iran und dem Irak stammenden Teilnehmern auf großes Interesse. Vor allem mit Bildsprache versucht Carola Krewerth den Flüchtlingen alle wichtigen Regeln näher zu bringen, die notwendig sind, um sicher durch den Straßenverkehr zu kommen. Schwierigere Sachverhalte können durch Übersetzung in die jeweilige Landessprache der Flüchtlinge erklären werden. „Es ist wichtig, einen Helm zu tragen, aber es ist keine Pflicht“, betont die Verkehrssicherheitsberaterin. „Mit einer Warnweste kann man auch noch aus 160 Metern Entfernung gesehen werden.“ Den Einwand, dass dieser Empfehlung auch viele Deutsche nicht folgen, kann sie bestätigen. „Die Nicht-Zuwanderer sollten auch selbst ein Vorbild sein.“

Verkehrsregeln sind oft neu

Aufgrund zahlreicher Anfragen hatte die Polizei bereits einige Radfahrschulungen im Kreis für Flüchtlinge angeboten. „Die Helfer sehen, dass sie nicht immer verkehrsgerecht fahren“, sagt Carola Krewerth. Mit den deutschen Verkehrsregeln seien viele Flüchtlinge nicht vertraut. Die meisten haben sich das Fahren selbst beigebracht und kennen aus ihren Herkunftsländern teilweise keine Verkehrsregeln.

Fahrrad ist unverzichtbar

„Für viele, die nicht aus Städten kommen, sind Verkehrsschilder und Ampeln neu“, erklärt Ingeborg Pust vom Betreuerkreis. „Völlig entsetzt sind sie darüber, dass hier Räder gestohlen werden.“ Für die Flüchtlinge sei ein Fahrrad in Ennigerloh unverzichtbar. „Es ist ihre einzige Möglichkeit mobil zu sein“, betonte sie. Der Ennigerloher Betreuerkreis suche noch Fahrräder für die Flüchtlinge. Benötigt werden vor allem Kinder- und Jugendräder. Abgegeben werden können sie bei Horizonte oder in der Fahrradwerkstatt des Ennigerloher Jugendzentrums.

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