Fehltritte: SPD-Reaktion liefert Realsatire
Bild: Stempfle
Die Zuhörer im Rathaus wurden am Donnerstag Zeuge eines vielleicht für Ostbevern einmaligen Vorgangs.
Bild: Stempfle

 Angesichts dieser harten Worte ging die SPD-Fraktion fast unmerklich in Deckung. Und dazu hatte sie allen Grund. Die Genossen hatten eine Woche vor der Bundestagswahl in einer Partei-Postille unter der Überschrift „Teures Privatvergnügen“ behauptet, Annen hätte Dr. Michael König quasi im Alleingang eingestellt. Der Mann sei Beigeordneter, Beamter und kassiere für seinen Dienst im Amt jährlich einen sechsstelligen Betrag.

In Deckung

Drei Kernaussagen, drei schriftlich fixierte und an alle Haushalte verteilte Fehltritte: König nimmt die Position eines Fachbereichsleiters ein, ist Angestellter und verdient wesentlich weniger als die Genossen behaupten. „Nicht einmal ich verdiene sechsstellig“, stellte Annen klar. Während die CDU eine Entschuldigung von der Oppositionsbank forderte, suchte die SPD ihr Heil in der Flucht nach vorn: Ob man schon einmal auf die Idee gekommen sei, dass es sich bei dem Artikel um Satire handele, fragte sie kleinlaut. Entschuldigen tat sich die Fraktion nicht. „Ich hab´s nicht verfasst“, flüsterte ein Sozi, der laut Impressum für den Inhalt der SPD-Broschüre verantwortlich zeichnet.

Schublade geöffnet

Anschließend versuchte die Fraktion, mit Wortklauberei von ihrem Fauxpas abzulenken und trat dabei in das nächste Fettnäpfchen. Dann ergriff Alt-SPDler Heinz-Josef Zumhasch das Wort und setzte dem Vorgang die Krone auf: Der Text sei vor vier Monaten verfasst worden, als die Einstellung eines Beigeordneten im Rat diskutiert worden sei. Dann habe der Artikel in der digitalen Schublade geruht. „Irgendjemand“ habe ihn im September für die Parteizeitung „Der Biber“ genutzt. Das sei „schade und unverständlich“. Dafür müsse man sich in der Tat entschuldigen, referierte Zumhasch, nachdem sich bereits 15 Minuten die Gemüter im Ratssaal an diesem Thema erhitzt hatten.

Politikverdrossenheit

Indes: Die Entschuldigung blieb aus. „Ein Paradebeispiel, wie Politikverdrossenheit produziert wird“, kommentierte ein Zuhörer den Vorgang und verließ das Rathaus mit der Frage: „Verstehen Sie jetzt, warum man so etwas einfach nicht mehr wählen kann?“

Bei diesem Text handelt es sich um einen Kommentar von Axel Ebert.

SOCIAL BOOKMARKS