Seltene Zwerggänse an der Lippe zu Gast
Zwerggänse sind gut an dem gelben Augenring und dem kurzen Schnabel zu erkennen.

Diese Tiere sind mittlerweile äußerst selten und haben sich in der Region bislang noch gar nicht blicken lassen. Da die Gänse auffällige Ringe tragen, ist bekannt, dass sie aus einem schwedischen Artenschutzprojekt stammen. Auf dem langen Weg von Nordschweden bis ins Überwinterungsgebiet legen die Gänse immer wieder Stopps an geeigneten Rastplätzen ein.

Dieses Jahr trägt auch die Disselmersch als Rastplatz zum Gelingen des schwedischen Artenschutzprojekts bei. Vielleicht entwickelt sich in den nächsten Jahren ein Traditionsrastplatz. Denn weil die Zwerggänse noch jung sind, haben sie noch keine festgelegten Routen. Wie es mit ihnen weitergeht, ist auch für Birgit Beckers eine spannende Frage. „Gut möglich, dass sie mit den Blässgänsen, denen sie sich angeschlossen haben, weiter in Richtung Niederrhein ziehen.“ Denkbar sei aber auch, dass die Vögel noch lange hier bleiben. „Sie haben sich auf jeden Fall schon innerhalb einer Woche gut eingewöhnt und gehen regelmäßig auf Futtersuche auf den benachbarten Feldern“, erläutert die Biologin.

Für Beckers ist die Tatsache, dass die Zwerggänse hier überhaupt Station machen, schon ein riesiger Erfolg für die Bemühungen, die Disselmersch naturnah zu gestalten. „Von oben scheint die Wasserfläche attraktiv zu sein“, glaubt Birgit Beckers.

Offenbar sind die Bedingungen am Boden ebenfalls passend. Die Disselmersch ist ein Lippeauenabschnitt westlich von Lippborg, in dem sich die NRW-Stiftung für Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege zusammen mit der ABU seit vielen Jahren engagiert. Zwerggänse sind in Europa extrem selten geworden. In Skandinavien gibt es nur noch rund 15 Brutpaare. Sie brüten in den höher gelegenen, baumfreien Fjälls Lapplands.

Noch vor 60 Jahren war die Art in den norwegischen und schwedischen Fjälls weit verbreitet. Hauptgrund für den starken Rückgang der Zwerggans ist die fälschliche Bejagung in den traditionellen Überwinterungsgebieten auf dem Balkan. Da die Zwerggans der Blässgans sehr ähnelt, wird sie dort, wo die Blässgans bejagt werden darf, oft mit dieser verwechselt.

Die skandinavische Brutpopulation steht kurz vor dem Aussterben. Die noch verbliebenen wenigen Brutpaare sind nicht in der Lage, die Population wieder aufzubauen. Ein skandinavisches Schutzprojekt hat sich vor diesem Hintergrund zum Ziel gesetzt, die Zwerggans zu retten. Seit einigen Jahren werden daher junge Zwerggänse in Menschenobhut aufgezogen und kurz vor dem Flüggewerden in den angestammten Brutgebieten Lapplands ausgewildert.

Diese Jungtiere schließen sich oft Blässgänsen auf dem Zug ins Winterquartier an. Deren Überwinterungsgebiete liegen nicht auf dem gefährlichen Balkan, sondern am Niederrhein und in den Niederlanden. Die Niederlande sind ein altes Überwinterungsgebiet auch der Zwerggans.

Gänse sind sehr brutortstreu, die in Lappland flügge gewordenen Zwerggänse kehren dorthin zum Brüten zurück. So kann die Brutpopulation gestärkt werden. Sichere Überwinterungsgebiete helfen beim Überleben. In diesem Jahr wurden in Schweden 81 junge Zwerggänse ausgewildert.

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