Steinerner Erzengel gebietet Respekt
Wie die Bögen einer Kathedrale legen sich die Äste der alten Linden über die Statue des Erzengels Michael am Haus Assen

Die klassisch bis moderne Figur aus Ibbenbürener Sandstein, die vor 25 Jahren vom Künstler Stefan Lutterbeck aus Everswinkel geschaffen wurde, haben Christoph Bernhard Graf von Galen und seine 1992 verstorbene Ehefrau noch gemeinsam geplant. Sie wurde als „Lichtgestalt“ hier im Jahr 1993 aufgestellt an einer Stelle, wo zuvor ein Baum aus der Allee entfernt worden war und deshalb viel Sonnenlicht auf den hellen Stein einfließen konnte.

Den genauen Anlass oder Grund für die Stiftung des Denkmals kennt weder die Tochter des letzten Grafen von Assen, die jetzige Hedwig Gräfin von Buquoy, noch Pater Volk, der Leiter des Kollegs Kardinal von Galen. Der Lippborger Heimatforscher Konrad Stengel erinnert sich allerdings, dass Graf Christoph Bernhard von Galen eine besondere Verehrung für den Heiligen Michael gehabt haben soll. Daher sei es wahrscheinlich, dass er den mit einem Flammenschwert ausgerüsteten und den Teufel in Form einer Schlange besiegenden Erzengel im Kampf gegen die Mächte des Bösen in Erinnerung rufen wollte.

Die monumentale Figur des Heiligen Michael mit den großen Flügeln habe seiner Erinnerung nach bei den Lippborgern nach der Installation vereinzelt Kopfschütteln ausgelöst, so Konrad Stengel. Er weiß auch aus seiner Jugend, dass durch die Allee von Süden aus früher der offizielle Zuweg zum Schloss führte. Etwa in den 40er-Jahren hätten beiderseitig des Weges Holzbaracken gestanden, in denen kriegsgefangene Russen und Serben untergebracht waren, die in der Umgegend als billige Arbeitskräfte eingesetzt wurden.

Dort wo heute das Denkmal steht, soll sich der Legende nach auch eine wundersame Geschichte der Vorhersehung ereignet haben. Pater Volk hat sie bei der Spurensuche zum Denkmal gefunden. Demnach gab es in Assen einst einen Schäfer mit seiner Herde, dem in der Lindenallee vor dem Schloss im Traum eine Totenkutsche erschien, die von drei Rappen und einem Schimmel gezogen wurde. Tatsächlich soll das wundersame Gespann kurze Zeit später einen verstorbenen 35-jährigen Pfarrer, bei dem es sich um eines der 13 Kinder von Matthias Graf von Galen handelt.

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