Drei Konzerte an drei „Tatorten“
Bild: D. Reimann
Die Sopranistin Antje Bitterlich spielt an den Städtischen Bühnen Münster die „Königin der Nacht“. Im Herrenhaus Harkotten wurde sie begleitet von Prof. Günther Albers.
Bild: D. Reimann

So geschehen am Sonntag im Rahmen des Harkottener Salons. Musikalischer „Tatort“ Nr. 1: Kapelle: Dort machten Anita Farkas (Flöte) und Jasmin-Isabel Kühne (Harfe) als „Duo Lumière“ ihrem Namen alle Ehre, brachten gewissermaßen Licht in komplizierte musikalische Strukturen. Als gut eingespieltes Gespann loteten sie viele Feinheiten aus.

Sie begannen mit einem gebürtigen Westfalen, denn der zu seiner Zeit hochberühmte Flötist Anton Bernhard Fürstenau (1792-1852) stammt aus Münster. Seine Fantasie (Op. 67) empfahl sich als virtuos aufgeputztes Salonstück, während Debussy mit seiner Studie über den Nachmittag eines Pfaus differenziertere Töne anschlug. Weiter Atem und ein schönes Spiel mit Motiven prägten ein Scherzo der Französin Henriette Renié, ehe dann Louis Spohr mit einer Sonate ein gewichtiges Finale setzte. Die Ehe mit einer Harfenistin hat ihm wenigstens musikalisch gutgetan.

„Tatort“ Nr. 2: Foyer des Herrenhauses. Dort verteidigte der Gesang sein Revier, vertreten durch Antje Bitterlich (Sopran), begleitet von Günther Albers (Klavier). Als Opernsängerin entschied sich die Solistin für Gustav Mahler und Richard Strauss und damit für zwei Vertreter der Oper bzw. der großen Form, die das in ihren Liedern nicht verleugnen. Ausgangspunkt war der Dichter Clemens von Brentano und dessen Sammlung „Des Knaben Wunderhorn“, ein unerschöpflicher Textlieferant der Musiker.

 Die Romantik trug Mahler dabei nicht zu dick auf, eher dominierte hier der Humor, zum Beispiel im „Lob des Verstandes“, das sich hier der Esel verdient, als er den musikalischen Streit zwischen Nachtigall und Kuckuck zu entscheiden hat. Hin und wieder opernhaft ging es dann bei Strauss zu. Alles keine Hürde für einen versierten Pianisten, der seine Bedeutung stets richtig einschätzte, einmal Assistent, das andere Mal Partner einer erfahrenen Sängerin.

„Tatort“ Nr. 3: Wappensaal: Hier tobte sich vor allem Konstantin Manaev (Violoncello) aus, tatkräftig unterstützt von seiner Mutter Elena Takhtaeva am Flügel. Entsprechend die Auswahl seiner Stücke. Zwei Divertimenti von Bernhard Romberg bereiten die Variationen vor, die Beethoven zu Mozarts Arie „Bei Männern, welche Liebe fühlen…“ in jungen Jahren zu Papier brachte. Dann wurde die Virtuosität geradezu auf die Spitze getrieben. Paganinis „Bravour-Variationen“ über ein Thema von Rossini ließen kaum Wünsche offen, aber auch David Popper schlug mit seiner Ungarischen Rhapsodie in die gleiche Kerbe, allerdings noch angereichert mit Romantik und Puszta-Feuer.

Das kam an! Das galt allerdings auch für das Konzept des „Triplekonzerts“ überhaupt. Die Freunde und Förderer des Denkmals Harkotten sowie die Gesellschaft zur Förderung der Westfälischen Kulturarbeit (GWK) als Veranstalter vergaßen dabei auch nicht die menschliche Seite: Nach zwei Konzerten gab es einen Imbiss, verbunden mit einem kleinen kulturgeschichtlichen Vortrag von Dr. Gerd Dethlefs über adlige Trinkspiele und -Sitten, dies allerdings ohne praktische Übungen

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