Belastungsgrenze ist schnell erreicht
Auf Einladung des Pflegenetzwerks Sendenhorst referierte Silke Niewohner zu „Vereinbarkeit von Pflege und Beruf“ im St.-Josef-Stift in Sendenhorst. Das Bild zeigt (v. l.) Angelika Reimers (Seniorenberatung Sendenhorst), Silke Niewohner und Elisabeth Uhländer-Masiak (St.-Elisabeth-Stift).

Die Belastungsgrenze rückt gefährlich nahe. Zum Thema „Vereinbarkeit von Pflege und Beruf“ hat die Gesundheitswissenschaftlerin Silke Niewohner auf Einladung des Pflegenetzwerks im St.-Josef-Stift referiert. Pflege werde häufig gleichgesetzt mit körperlicher Pflege.

Niewohner machte aber deutlich, dass pflegende Angehörige eine Vielzahl von Tätigkeiten übernähmen wie Betreuung, Hilfe im Haushalt, Einkäufe, Kochen, Begleitung zu Arztbesuchen oder Fahrten. Dafür fielen oft viele Stunden in der Woche an. Verbunden sei das häufig mit wenig eigenem Freiraum, Vernachlässigung sozialer Kontakte sowie Rollenkonflikten, weil sich das Verhältnis von Eltern und Kindern häufig auf den Kopf stelle. „Darin liegt aber auch eine Chance, weil man sich noch einmal neu kennenlernt“, sagte Niewohner.

Durchschnittlich dauert die Pflege eines unterstützungsbedürftigen Angehörigen acht bis neun Jahre. „Das ist kein Sprint, sondern ein Marathon“, so Niewohner. Deshalb empfahl die Fachfrau, von Anfang an auf eine gute Organisation zu achten, die auch das Einplanen von Freizeit und das (Be-)Achten eigener Bedürfnisse vorsieht. Und: „Beratung ist wichtig, weil das Thema Pflege sehr komplex und die Gesetze sehr kompliziert sind.“

Zwar sieht der Gesetzgeber mit dem Pflegezeitgesetz und dem Familienpflegezeitgesetz Möglichkeiten vor, sich für die Pflege eines nahen Angehörigen Auszeiten im Berufsleben zu nehmen. Doch was auf den ersten Blick attraktiv wirke, berge in der Praxis viele Fallstricke. Zum Beispiel, wenn Kostenzusagen ungewiss seien oder sehr zeitverzögert kämen. Als Anlaufstelle für Beratung empfahl die Referentin die Seniorenberatung Sendenhorst, die Pflege- und Wohnberatung des Kreises Warendorf und die Pflegekassen der Krankenversicherungen. Referentin Niewohner sagte dazu: „Die Gesetze zu verstehen, ist wie eine neue Sprache zu lernen.“

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