Geschäftsfrau will Jagdverbot erwirken
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Der Pächter des Jagdbezirks Warendorf Nord, der für die Hege des Areals verantwortlich zeichnet, dämmt die Überpopulation ein. Zweifelsohne kein schöner Anblick für Spaziergänger, Jogger und Laien – auch deshalb wird der Bereich weiträumig abgesperrt.

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Wenige Stunden zuvor wurde das Idyll jäh unterbrochen – da nämlich hallten plötzlich Gewehrschüsse durch den Park. Das Bild wiederholt sich Jahr für Jahr, ebenso wie die Aufregung über die Bejagung der Stockenten im Bereich des Emssees. Kaum ist der Sommer zu Ende, wird es für das Geflügel im Park eng. Der Pächter des Jagdbezirks Warendorf Nord, der für die Hege des Areals verantwortlich zeichnet, dämmt die Überpopulation ein. Zweifelsohne kein schöner Anblick für Spaziergänger, Jogger und Laien – auch deshalb wird der Bereich weiträumig abgesperrt. Vor allen Dingen kommt er damit aber seiner Verkehrssicherungspflicht nach.

Rechtlich gesehen sei alles in bester Ordnung, sagte am Mittwochnachmittag Rudolf Goebbeler vom Ordnungsamt der „Glocke“. Und auch die Untere Jagdbehörde beim Kreis Warendorf hat keinen Grund zur Beanstandung. Würde das ganze Geschehen im Wald stattfinden, würde es vermutlich kaum Aufmerksamkeit erregen. So aber findet das Töten der Tiere quasi auf dem Präsentierteller statt – was Jahr für Jahr zu erheblichen Debatten und Nachfragen beziehungsweise Beschwerden bei den beteiligten Behörden führt.

Auch Geschäftsfrau Anita Rendon gehört zu denen, die sich mit dem Töten der Tiere auf öffentlichem Grund nicht anfreunden wollen. Im Gespräch mit der „Glocke“ verwies sie am Mittwoch auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR). Dieser hat entschieden, dass Grundstückseigentümer nicht verpflichtet werden dürfen, die Jagd auf ihrem Land zu dulden. Für Menschen, die die Jagd ablehnen, sei das eine unverhältnismäßige Belastung. In den Augen der Richter wurde der Schutz des Eigentums durch die bis dahin bestehende Regelung über Jahrzehnte hinweg verletzt.

Letztlich gehöre der Emssee-Park den Bürgern der Stadt Warendorf, sagt Anita Rendon. Mit einer Unterschriftenliste, die in ihrem Geschäft „Holland and more“ am Marktplatz ausliegen soll, will sie bei Rat und Verwaltung ein Verbot der Jagd am Emssee erwirken – notfalls auch über den Klageweg. „Es ist eine Belastung für die Bürger“, sagt sie zur Bejagung der Tiere dort.

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