Grund ist ein Artikel, der in der aktuellen Ausgabe des Magazins „Der Spiegel“ erschienen ist. Anlass der Recherchen der Redakteure war die Doktorarbeit der Hamburger Historikerin Nele Maya Fahnenbruck, die über „Pferdesport und Politik im Nationalsozialismus“ dissertiert hat. In enem interview hat die Doktorandin „die Verklärung des Freiherrn von Langen als tadellosen Reitersmann“ beklagt. Als Beispiel nannte sie auch die Tatsache, dass die Straße, an der in Warendorf die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) und das Deutsche Olympiade-Komitee (DOKR) liegen, nach dem „braunen Herrenreiter“ (so die Schlagzeile des Spiegel-Berichts) benannt worden sei.
Unstrittig ist, dass Carl-Friedrich Freiherr von Langen Obersturmbannführer bei Hitlers SA war. Nach einem Sturz bei einem Military-Turnier im August 1934 verstarb er an seinen schweren Verletzungen. Dass die NS-Nähe von Langens bislang kaum thematisiert wurde und die Post ihn aus Anlass der Olympischen Spiele in Mexiko 1968 sogar mit einer Sonderbriefmarke ehrte, stößt bei jenen, die heute dieses vermeintlich „unpolitische Reiterschicksal“ näher untersuchen, auf Unverständnis.
Bei der FN will man die aktuelle „Spiegel“-Veröffentlichung nicht überbewerten. Solange die Doktorarbeit nicht vorliege und auf etwaige neue Erkenntnisse überprüft worden sei, sieht Pressesprecherin Susanne Hennig vorerst keinen Handlungsbedarf. Hennig selbst hatte als freie Journalistin 2005 in einem Buch zum 100-jährigen Bestehen der Reiterlichen Vereinigung unter anderem über die Person von Langens recherchiert und geschrieben. „Wie viele Reiter und Züchter war er von unpolitischer Gesinnung und hatte sich im Interesse des Pferdesports und seiner eigenen reiterlichen Karriere mit den Nationalsozialisten arrangiert“, hält ihn Susanne Hennig für einen klassischen „Mitläufer“. Allerdings räumt auch die FN-Sprecherin gegenüber der „Glocke“ ein, dass von Langen „die Eingliederung der ländlichen Reitervereine in die SA sogar energisch unterstützt“ habe. Der „großartige Reiter“ sei von den braunen Machthabern „instrumentalisiert“ worden.
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