Beckum muss nachjustieren
Bild: Rollié
Laufstark und prima veranlagt: Beckums Milad Ghafori (r.) wird derzeit häufiger ins kalte Westfalenliga-Wasser gestürzt, weil eine behutsamere Integration in den Kader der Ersten wegen Personalmangels unmöglich ist.
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Der Vorstand stimmt mit dem Trainer überein und gab dem Mannschaftsverantwortlichen und dessen engsten Mitarbeitern grünes Licht, sich auf dem Spielermarkt umzuschauen. „Ich habe mit unserem Vorsitzenden Günther Sundermann darüber gesprochen“, betont Klingen. Der Tenor: zwei, drei Neue sollen zur Rückserie mithelfen, den Tabellenelften auf Kurs zu halten und vor dem Abstieg zu bewahren. 

Die Zahl ist nicht aus der Luft gegriffen, sondern resultiert aus der Tatsache, dass genauso so viele Kadermitglieder endgültig ihre Taschen packen (müssen). Michale Lade verzieht aus beruflichen Gründen nach Baden-Württemberg, Matteo Fichera kann ebenfalls vor beruflichem Hintergrund nicht mehr regelmäßig trainieren und ist daher künftig keine echte Option für den Westfalenliga-Kader. Dazu kommt der am Kreuzband verletzte Maurice Schwab, den Studium und/oder Praktikum zeitlich derart einschränken, dass an einen Verbleib in Beckum nicht mehr zu denken ist.

Die Schlussfolgerung daraus liegt laut Klingen auf der Hand: „Wir müssen etwas im vorderen Bereich tun, weil Matteo geht, dann im Mittelfeld, weil Maurice nicht mehr zur Verfügung stehen wird, und suchen zudem einen Allrounder wie Michi Lade.“

Vor einem Jahr verpasste sich das Team aus der Römerkampfbahn im Winter selbst ebenfalls eine Frischzellenkur und fuhr gut damit. Die hinzugewonnen Spieler Zübeyir Kaya, Sascha Grasteit und Georgios Gkikas hatten durchaus einen wichtigen Anteil am Gewinn der Landesliga-Meisterschaft.

Klingens Anforderungsprofil für Zugänge ist ebenso simpel wie stichhaltig. „Es muss einfach passen“, sagt der Trainer. „Der Respekt muss stimmen.“ Es spiele auch keine Rolle, ob jemand 18 oder 29 Jahre alt sei. Entscheidend sei, dass er der Mannschaft helfen könne. Ohne die abgedroschene Floskel von den elf Freunden überzustrapazieren, sei an den stets zu erkennenden unbändigen Willen der Spieler erinnert, hochgesteckte Ziele gemeinsam zu erreichen. In den vergangenen Jahren war diese Eigenschaft entscheidend für den BSV-Erfolg. In diesem Gefüge würden egozentrische Individualisten nur Schaden anrichten.

Talenten keine allzu großen Lasten aufbürden

„Es geht ja auch gar nicht allein um die Kadergröße“, präzisiert Markus Klingen die aktuellen Probleme. „Auch im Training kann man mit 13, 14 Spielern nicht wie gewünscht arbeiten.“ Entwarnung wird es wohl tatsächlich erst nach Abschluss der Hinrunde geben, wenn zum Beispiel Leon Schlebrügge seinen Mittelfußbruch auskuriert haben wird. Auch Mücahid Tuncs Schulterblessur sollte bis dahin Geschichte sein. Noch früher könnte Angreifer Oliver Cylkowski wieder auf Torejagd gehen. „Er benötigt wohl noch fünf, sechs Wochen und kann vielleicht noch ein oder zwei Spiele vor der Winterpause machen“, sagt Klingen.

So oder so muss der Trainer notgedrungen nun die ganz Jungen aus dem eigenen Nachwuchs ins eiskalte Westfalenliga-Wasser stürzen. Die machen ihre Sache zweifellos gut und sehr engagiert, können und sollen die große Bürde aber eigentlich noch gar nicht schultern. „Mir wäre es eigentlich lieber, wenn die Jungs noch mehr Spielpraxis in der Zweiten sammeln könnten“, betont Klingen, dessen bekannt gutes Händchen für Talente nun also mal wieder besonders gefragt ist.

Aber auch für die BSV-Nachwuchskräfte lief es alles andere als wunschgemäß in dieser Saison. Lukas Giesler hatte Knieprobleme, Kemal Ostaoglu rheumatische Beschwerden, und Berkay Sahin wurde ebenso durch eine Krankheit zurückgeworfen. „So schlimm wie in dieser Saison war es in den vergangenen Jahren noch nie“, ächzt Klingen unter der Last der personellen Herausforderungen an das Team.

Aber den Kopf in den Sand zu stecken, ist für den Trainer, der mit der Mannschaft zwei Aufstiege in Folge feierte, keine Option. Stattdessen wird er mit seinen Mitstreitern auf der Bank in den kommenden Wochen Augen und Ohren offen halten, um bestmögliche Zugänge von Landes-, Verbands- oder Oberliga-Clubs in die Zementstadt zu locken.

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