Trotz Verletzung sticht Nagel Gegner aus
Bild: Axel Grundler
Keanu Nagel in Aktion: Der amtierende Deutsche B-Jugend-Meister (r.) setzt hier gekonnt im Mannschaftswettkampf einen Oberarmtreffer bei seinem Kontrahenten.
Bild: Axel Grundler

Keanu Nagel, Jahrgang 2003, trotzte seiner Daumenkapselverletzung an der Fechthand (Die „Glocke“ berichtete) und ging hochmotiviert auf die Planche. Nach den ersten fünf Gefechten der Vorrunde lag Nagel auf dem neunten Platz der Setzliste. Die Zwischenrunde absolvierte der Freckenhorster ebenso souverän und arbeitete sich auf Rang sechs vor. Der zweite Warendorfer Fechter, Leon Niehues, startete von Platz drei der westfälischen Rangliste aus, schaffte allerdings nach der Vor- und Zwischenrunde nur Platz 46 und schied somit vor den K.-o.-Runden der Top 32 aus.

Unter den letzten 32 und 16 gewann Nagel gegen seine Konkurrenten mit 10:8 und 10:5 Treffern. In der Runde der letzten Zwölf der Direktausscheidungen traf Nagel dann auf Colin Grundler vom Gastgeber Reutlinger SV, und damit seinen Vorjahres-Halbfinalgegner. In einem spannenden Gefecht, beim Stand von 9:9 Treffern kurz vor Zeitablauf, sicherte sich Nagel mit seinem Siegtreffer den Einzug ins Viertelfinale. Das entschied der 14-Jährige mit 10:5 gegen Tom Obermayer vom Fechterring Hochwald ebenso für sich wie das Gefecht in der Vorschlussrunde gegen Michael Kramer vom TV Augsburg. 10:4 endete dies. Grundler erkämpfte sich über die Hoffnungsrunde den Wiedereinstieg, war im Halbfinale erfolgreich und stand erneut gegen Nagel im Finale der DM. Im Finale zeigte Nagel Nervenstärke, ging früh in Führung und siegte schlussendlich mit einem großen Jubelschrei mit 10:7. Damit bestätigte Nagel seinen Titel aus dem Vorjahr. Ein Sieg in zwei aufeinanderfolgenden Jahrgängen gelang in der Fechtgeschichte noch keinem Fechter aus Westfalen, auf Bundesebene bislang nur einem Trio.

„Ich kann das eigentlich alles kaum glauben, mein kühnster Traum ist wahr geworden. Nach der Verletzung hatte ich wirklich Angst, nicht starten zu können. Ich war unglaublich traurig, die A-Jugend-DM eine Woche zuvor absagen zu müssen, für die ich monatelang hart gearbeitet hatte“, schilderte Nagel. Als der Arzt dann die Freigabe zum Start in der B-Jugend gab, kannte der Warendorfer nur noch den Vorwärtsgang, zumal ihm von Schul- und Vereinskameraden, Freunden und Familie alle Daumen für die Titelverteidigung gedrückt wurden.

In den Mannschaftskämpfen der DM ging das Team aus Westfalen mit den beiden Warendorfern Leon Niehues und Keanu Nagel, sowie Nils Hagen Poeten aus Hamm und Florian Balzer aus Hagen an den Start. Trotz einer offenen Wunde und Schwellungen an der Fechterhand, bedingt durch das Tragen der Handbandage nach der Kapselverletzung, und einem geschwollenem Kniegelenk startete Nagel voller Elan in diesen Länderpokal – er war durch seinen Einzeltitel am Vortag zusätzlich motiviert.

Nach den gewonnenen Punkten in den Einzeln stand die Mannschaft an Platz Nummer acht der Setzliste der 29 Teams. Westfalen siegte in der Vorrunde gegen Brandenburg deutlich mit 45:25 Treffern und gegen Baden-Süd mit 45:25. Gegen Nord-Rhein III wurde es etwas knapper, allerdings siegte das Quartett immer noch souverän mit 44:36. Westfalen startete nun in das 16er-K.-o.-Feld von Rang vier und schlug Nord-Rhein IV mit 45:35 und im Viertelfinale Bayern mit knappen 40:38 Treffern. Niehues und Balzer rotierten jeweils als dritter Fechter. Beide glänzten mit deutlich besseren Ergebnissen als am Vortag und wuchsen über sich hinaus und trugen so zum Weiterkommen bei. Nagel wurde als stärkster Fechter jeweils als erster und letzter Fechter zum Einsatz gebracht und rettete so Westfalen im Halbfinale aus einem Rückstand am Ende den Sieg mit knappen 45:43 Treffern gegen Baden-Nord. Auch Nord-Rhein III qualifizierte sich fürs Finale. Anders als in der Vorrunde trat die Mannschaft diesmal sicherer auf und punktete früh. Nagel ging beim Stand von 35:40 ins Finale. In seinen letzten drei Minuten erzielte er zwar einen Treffer mehr als sein Gegner, zum Sieg reichte es allerdings nicht mehr. Das Finale endete mit 45:41 für Nord-Rhein III.

Nagel: „Wir sind alle überwältigt, die Teamarbeit hat super viel Spaß gemacht. Dies Ergebnis hatten wir uns niemals ausgerechnet. Wir sind glücklich, ich ganz besonders, denn zwei Meisterschafts-Medaillen in einem Jahr sind schon etwas sehr Besonderes.“ Diese Begeisterung teilte Trainer Michael Zimmermann. „Ich bin super stolz auf die Jungs, sie haben wirklich alles gegeben“, lobte er. Und was sind Keanu Nagels nächste Ziele? „In jedem Fall gut abschneiden in den kommenden A-Jugend-Turnieren ab Herbst und ein Turnier im Ausland fechten“, sagt er. Einer Nominierung in den Bundes-Perspektiv-Kader dürfte eigentlich auch nichts mehr im Wege stehen. Diese würde Nagel dann zur Teilnahme an speziellen Trainingseinheiten an verschiedenen Lehrstätten in Deutschland ermöglichen.

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