Defibrillator fliegt mit einer Drohne
Bild: Dünhölter
Acht Rotoren sollen den Defikopter mit seinem speziell entwickelten Defibrillator zu möglichen Einsatzorten tragen. Am Freitagvormittag simulierten Holger König (Firma Schiller, hockend) und Friedrich Nölle (Definetz) in Halle einen Defikopter-Einsatz.
Bild: Dünhölter

Im Haller Golf-Club „Teutoburger Wald“ wurde am Freitagvormittag der Prototyp eines bislang in Deutschland einzigartigen „Defikopters“ vorgestellt. Der elektronische Lebensretter transportiert ein speziell für diesen Zweck entwickeltes 490 Gramm leichtes Gerät zur Wiederbelebung als Flugdrohne zum möglichen Einsatzort. Die dazu nötigen Daten erhält der Flugroboter nach vorheriger Handy-Nachricht über das Ortungssystem GPS. Der auch für Laien über eine Sprachsteuerung zu bedienende Defibrillator wird mit einem speziellen Fallschirmsystem über einer Notfallstelle abgeworfen.

Wie die Technik im Idealfall funktionieren soll, zeigten die Köpfe hinter der Idee gestern Vormittag im Haller Golfclub. Entwickelt wurde der „Defikopter“ von Definetz, einem Verein für Frühdefibrillation und Bedarfsgerechte Versorgung mit Defibrillatoren, in Kooperation mit der Bielefelder Firma Height-Tech GmbH, einem Spezialisten für unbemannte Flugobjekte. Dritter Partner ist die Firma Schiller, die einen bislang ebenfalls einzigartigen „Leicht- und Laien-Defibrillator“, so Holger König von der Firma Schiller, entwickelt hat.

Friedrich Nölle von Definetz sagt: „Der plötzliche Herztod ereilt in der Bundesrepublik 100 000 Menschen im Jahr. Das wichtigste Kriterium bei der Reanimation ist schnelles Handeln.“ Der dank seiner acht Rotoren bis zu 80 Kilometer pro Stunde schnelle Defikopter soll wesentlich schneller vor Ort sein als etwa Rettungskräfte. Die Reichweite von 20 Kilometern sowie die mögliche Flugzeit von 10 bis 15 Minuten sind nach Einschätzung von Joseph Metz von „Height-Tech“ noch optimierbar.

„Wird über eine spezielle App mit dem Handy ein Notruf abgesetzt, startet die Drohne selbstständig und bringt den Defibrillator GPS-gesteuert zum Patienten“, sagte Nölle. Das setzt allerdings voraus, dass bei einem Notfall jemand in der Nähe ist, der diese App hat und das Signal absetzt. Bei einem „normalen“ Notruf ohne diese App könne die Rettungsleitstelle die Drohne starten.

Ein einsatzfähiger Defikopter koste derzeit zwischen 20 000 und 30 000 Euro. Bis der „Defikopter“ Menschenleben retten kann, wird es noch dauern. Das deutsche Luftrecht erlaubt einen Einsatz von unbemannten Drohnen derzeit nur, wenn sie von einem Menschen überwacht werden. Nach Einschätzung von Metz sei mit einer „vollautomatischen Flugerlaubnis“ nach derzeitigem Stand der EU-Verhandlungen in etwa fünf Jahren zu rechnen.

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