Ethiker will Recht auf aktive Sterbehilfe
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In manchen Fällen dürfe die Möglichkeit auf aktive Sterbehilfe auch Ärzten nicht verwehrt bleiben. Dieser Auffassung ist Prof. Michael Quante, Ethiker und Professor für praktische Philosophie der Universität Münster.
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 Frage: Der Bundestag will bis 2015 das Gesetz zur Sterbehilfe reformieren. Worum geht es?

Quante: Wir haben eine lange Tradition des Schutzes des menschlichen Lebens. Unsere Gesellschaft aber verändert sich und der Grundsatz der Selbstbestimmung ist längst anerkannt. Dazu gehört die Selbstbestimmung über das eigene Lebensende. Das ist der Grundkonflikt.

Frage: Der wie zu lösen ist?

 Quante: Allein über das Thema nachzudenken ist bitter. Sich zu fragen, was würdest Du tun, wenn Dich jemand aus deinem Umfeld um aktive Sterbehilfe bittet, ist eine Art Lackmustest. Das hat nichts mit Parteibuch zu tun. Es ist eine individuelle Entscheidung.

 Frage: Was sagt der Ethiker? Quante: Die Gesellschaft muss die Möglichkeit aktiver freiwilliger Sterbehilfe für bestimmte Fälle bereithalten, ohne dass sie einen einzelnen Arzt zwingen darf. Die Frage ist: Wie können wir das gesellschaftlich und rechtlich so organisieren, dass möglichst wenig ethischer Schaden entsteht? Was können wir wem zumuten, was nicht?

 Frage: Was sind die ethischen Zwickmühlen?

Quante: Egal, wie man sich entscheidet: Durch Strafgesetze zwingt man Menschen, sich auf kriminelle oder dubiose Machenschaften einzulassen, um selbstbestimmt zu sterben. Alternativ dazu wird eine Tötung auf Verlangen unter bestimmten Umständen legalisiert, was problematisch ist.

Frage: Und wenn ein Arzt sich weigert?

Quante: Das ist sein gutes Recht. Genauso wie jemand für sich sagen kann, dass er als Arzt keine Abtreibung durchführen will und deshalb kein Gynäkologe wird, kann er aktive Sterbehilfe ablehnen. Aber nach meiner Meinung wäre so eine Aufgabe durchaus mit dem Ethos der Ärzte als Gruppe vereinbar (das komplette Interview ist in der Montagausgabe der „Glocke“ zu lesen).

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