Geheimsprachen für die Nachwelt erhalten
Bild: Reimann
Sprachforscher Klaus Siewert hat Münsters Masematte dokumentiert. In seinem unter anderem vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe unterstützten Buch über Geheimsprachen behandelt er auch die westfälische Viehhändlersprache.
Bild: Reimann

„Ihr seid Feiglinge. Was er macht ist gut“, habe die Wirtin der Gaststätte Hubertihof, Frau Füchtenhans, zu den drei Männern gesagt, die immer dorthin kamen und Masematte sprachen. Erst als die Chefin das Machtwort gesprochen hatte, öffneten sich die Männer dem wissenschaftlichen Anliegen. Sie trugen dazu bei, dass Klaus Siewert und seine Studenten Masematte dokumentieren konnten.

Masematte – die Sondersprache, die in Münster in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden war und Ende des Zweiten Weltkriegs weitgehend unterging. Denn die Viertel, in denen es vor allem gesprochen wurde (Kuhviertel – Tasche, Brink und Ribbergasse –, Sonnenstraßenviertel, Pluggendorf und Klein-Muffi), wurden zerstört.

Die Verschleppung oder Vernichtung großer Teile der Sprechergemeinschaft (Juden, Sinti, Roma) tat ein Übriges, dass die „dritte Sprache“ Münsters neben Mundart (niederdeutsch/westfälisch) und Hochsprache weitgehend verschwand. Doch ob „jovel“, „schofel“, „kaline“, „heiermann“ oder „leeze“, viele Wörter aus der Geheimsprache, die Dritte vom Verstehen ausschließen und die Sprechgemeinschaft nach außen abgrenzen sollte, finden sich heute in der Umgangssprache wieder.

In seinem jüngsten Buch „Geheimsprachen in Westfalen“ dokumentiert der Münsteraner Professor sowohl die münstersche Masematte als auch – zusammen mit Ann Christin Schulte-Wess – die westfälische Viehhändlersprache. Denn auch diese wollten Dritte vom Verständnis der Geschäftsverhandlungen ausschließen. Ein typischer Dialog zweier Viehhändler findet sich auf dem Umschlag des Buchs. „Ich geb bei meis schiwwem schuck für die beheime.“ – „Willste mich beseibeln? Mei ratt oder kein masematten.“ – „Ich gebe dir zweihundertsiebzig Mark für die Kuh.“ – Willst du mich bescheißen? Dreihundert Mark oder kein Geschäft.“

Mehr Redewendungen der westfälischen Geheimsprache Masematte lesen Sie am Donnerstag in der gedruckten Ausgabe und im E-Paper der „Glocke“.

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