„Meine Arbeit wird als Honorararzt viel mehr wertgeschätzt – finanziell und zwischenmenschlich“, sagt er. Die bessere Bezahlung sei nicht der primäre Grund gewesen, warum er seine Festanstellung in einer Dortmunder Klinik gekündigt habe. „Ich war mit dem Arbeitsalltag nicht mehr zufrieden. Mir fehlten Anerkennung für meine Arbeit und Selbstbestimmung“, sagt der Anästhesist, der zurzeit am Klinikum Rosenhöhe in Bielefeld arbeitet, rückblickend.
Das entspricht den Erfahrungen von Dr. Jochen Jouaux (kl. Bild). „Das Kliniksystem lässt den Ärzten wenig Autonomie“, sagt der Gründer der Facharztagentur in Bielefeld. Dort werden seit 2001 Honorarärzte an Kliniken vermittelt. Das Prinzip ist einfach: Die Fachärzte nennen der Vermittlungsagentur ihre Bedingungen, die Kliniken stellen ihre Anfragen, die Agentur ist Mediator.
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Die Facharztagentur, eine von 151 Agenturen in Deutschland, vermittelt bundesweit Fachärzte mit mindestens drei Jahren Berufserfahrung. Der Zeitraum des Einsatzes variiert von zwei Nächten bis zu mehreren Monaten. Der Markt boome, sagt Jouaux, „und das wird in den nächsten zehn Jahren so bleiben“. Die Kliniken haben großen Bedarf an qualifizierten Ärzten. Viele Nachwuchsmediziner wandern nach dem Studium ins Ausland ab oder gehen in die Wirtschaft.
Honorarärzte sind zwar teurer für die Kliniken als die festangestellten Kollegen, aber immer noch günstiger als gar kein Arzt. Ein Honorararzt verdient rund 90 Euro in der Stunde, sein festangestellter Kollege rund 30 Euro. „Ein Operationssaal, der eine Stunde lang nicht genutzt wird, kostet 300 bis 500 Euro“, erklärt Jouaux. In 80 Prozent der Kliniken in Deutschland arbeiten bereits Honorarärzte. Trotzdem halten die Häuser sich bedeckt, was das Thema angeht. „Die Kliniken fürchten um ihren Ruf, da ein Honorararzt in der Gesellschaft häufig als unqualifiziert angesehen wird“, sagt Dr. Cordian Bialek. Dabei trügen Honorarärzte – außer ihrer fachlichen Kompetenz – das Wissen ihrer Einsatzorte immer weiter.
